Kommentar Toulouse und Israel: Auch Israel ist nicht sicher

Der Terror von Toulouse stärkt die Zionisten, die an Israel als Staat der Juden festhalten. Die Statistik spricht eine andere Sprache.

Der Tod palästinensischer Kinder in Gaza war erklärtermaßen mit ein Motiv für den Terroristen in Toulouse, vier Juden zu erschießen. Selbst wenn diesem Mörder ein aktiver Friedensprozeß in Nahost – also einer mit Aussicht auf Erfolg – vielleicht ausgereicht hätte, um von dem Attentat abzusehen: So bliebe die schlichte Existenz Israels für viele andere Muslime doch weiter ein Grund für Terror.

Die Zionisten, die an Israel als Judenstaat festhalten, werden aber gerade mit Attentaten, wie dem in Toulouse, bestärkt: Solange es Antisemitismus in der Welt gibt, muss ein sicherer Rückzugsort für die Juden garantiert sein. Es muss einen Staat geben, der bedingungslos seine Türen für sie öffnet. Israel garantiert das mit dem Rückkehrrecht, das Juden die Einwanderung ermöglicht.

Die Ein-Staaten-Lösung für den Nahen Osten mit weltlicher Regierung und gleichen Rechten für alle seine Bürger, kann es nicht geben, solange Juden irgendwo auf der Welt Angst haben müssen, weil sie Juden sind. Was bleibt, ist die Ein-Staaten-Lösung für zwei Völker unter jüdischer Rechtssprechung oder zwei Staaten.

Einen kleinen, aber jüdischen Staat strebte Yizhak Rabin einst an, mit einer arabischen Minderheit, die gleiche Rechte genießt. Muslime und christliche Familien, die zusammen leben können, wo sie wollen. Einzig die Sonderregelung der garantierten Aufnahme aller Juden, die Antisemitismus in ihrer Heimat fürchten müssen, sollte Israel als Staat der Juden ausmachen.

Das Attentat, so kommentierten vor Ort Politiker und Analysten, zeige einmal mehr, das Israel der sicherste Ort der Welt für Juden sei. Ein Blick auf die Statistik der Opfer von Terror und Krieg beweist das Gegenteil. Um Israel zu einem Staat zu machen, in dem Juden wie Araber Krieg und Terror nicht zu fürchten haben, wären zwei Staaten für Israelis und Palästinenser ein wichtiger Schritt.

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1961 in Berlin geboren und seit 2021 Co-Leiterin der Meinungsredaktion. Von 1999 bis 2019 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina.

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