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Kommentar Südafrika Die Destabilisierung geht weiter

Kommentar von

Martina Schwikowski

Das vorzeitige Ende von Thabo Mbeki stürzt den ANC in die tiefste Krise seit ihrer Gründung. Den Preis für das unnötige Debakel wird die Partei an den Wahlurnen zahlen.

D as politische Machtspiel des ANC in Südafrika ist tragisch: Es bringt die Partei intern in die tiefste Krise seit ihrer Gründung. Nicht nur Präsident Thabo Mbeki ist gestürzt, sondern die gesamte Partei. Es gab immer Fragmente in der früheren Befreiungsbewegung, die sich nach außen gut verkaufen ließ und nicht zuletzt durch Mbekis Führungsstil im Ausland und bei Investoren Anerkennung fand. Jetzt aber gibt es kaum Hoffnung, dass sich der ANC inhaltlich auseinandersetzt und stärker zur stabilen Partei formiert.

Mbeki hat Fehler gemacht, etwa mit seiner zögerlichen Anti-Aids-Politik und seiner Dickköpfigkeit gegenüber Andersdenkenden. Er hat versäumt, die murrende, arme Bevölkerung und die linke Allianz zu überzeugen, dass die Regierung langfristig in ihrem Interesse handelt. Dadurch schaffte er Raum für den Populisten Zuma. Der kämpfte sich in den Institutionen an 783 Korruptionsvorwürfen vorbei. Zusätzlich machte die ANC-Jugendliga für ihn Stimmung. Es fehlen die Autoritäten in der Partei, die die gedankenlosen Rüpel in der Jugendliga zur Räson riefen. Im Gegenteil: Dieser Flügel im ANC, der mit der Linken verkündet, das Land zu antiimperialistischen Höhen ohne Armut zu bringen, hat nun Oberwasser. Sein Motiv: Rache an Mbeki, der einen kapitalistischen, aber stabilen Kurs fuhr und den Konkurrenten Zuma jedoch politisch womöglich durch "Verschwörungen" verdrängen wollte.

Den Präsidenten ohne Beweise für seine Intrigen zu feuern, führt nun zu Vertrauensverlusten bei Investoren und schürt Ängste bei der wachsenden Mittelklasse. Mbeki tat dem ANC einen Gefallen, ohne Machtkampf abzutreten. Damit erspart er sich und der Partei das Misstrauensvotum.

Den Preis für das unnötige Debakel wird die Partei an den Wahlurnen im nächsten April zahlen, wenn eventuell ihre Zweidrittelmehrheit und die Wahlbeteiligung schwinden und sie bei Amtsantritt den angerichteten Schaden ausbügeln muss. Eine politische Alternative für schwarze Wähler täte der Demokratie des Landes gut, doch dafür benötigt es noch mehr Zeit.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Martina Schwikowski Auslandskorrespondentin Südafrika

Jahrgang 1960, lebt seit 1995 in Johannesburg, Südafrika. Sie ist TAZ-Korrespondentin für das südliche Afrika und freie Autorin für Zeitungen, Magazine sowie Buchverlage und arbeitet frei als TV-Produzentin und Medientrainerin in der Region.
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