piwik no script img

Kommentar Müllverbrennung statt -vermeidung Mehr Profit statt weniger Müll

Beate Willms

Kommentar von

Beate Willms

Die EU setzt auf Müllverbrennung. Diese Entscheidung ist fatal. Denn sind die Müllöfen erst einmal gebaut, wird das Interesse an der Müllvermeidung nachlassen.

M üll ist ein Geschäft. Die EU hat sich entschieden, es weiter anzuheizen, indem sie statt auf Recycling verstärkt auf die Müllverbrennung setzt. Das ist fatal.

Sicher, gute Müllverbrennungsanlagen sind besser als die alten Mülldeponien. Denn biologische Abfälle, die auf solchen Deponien verrotten, verbreiten gesundheitsschädliche Keime und produzieren den Klimakiller Methan. Die neuen Anlagen verfeuern dagegen den Dreck nicht nur, sie gewinnen sogar Energie daraus. Zwar bewegt sich der Heizwert eher im unteren Bereich, aber für nicht recyclingfähige Reststoffe ist das besser als nichts. Und solange es solche Reststoffe gibt, können effiziente Müllheizkraftwerke eine Kreislaufwirtschaft sinnvoll ergänzen.

Mehr aber auch nicht. Denn so toll ist die Abfallverbrennung nicht. Kleine Kraftwerke für regionalen Müll etwa lohnen sich nicht. Nur große Anlagen, in denen auch der Müll aus weit entfernten Gegenden verbrannt wird, machen richtig Gewinn. Mülltransporte dorthin aber kosten Sprit, und sie belasten das Klima. Außerdem brauchen Müllverbrennungsanlagen natürlich Müll. Und je mehr Anlagen es gibt, desto mehr Müll brauchen sie. Umweltpolitisch gesehen, ist das die falsche Weichenstellung.

Richtiger wäre es gewesen, beim Thema Müll wirtschaftliche, ökologische und klimapolitische Ziele zusammen zu denken. Dabei geht es nur am Rande um die möglichst risikolose Beseitigung von Unrat. Schließlich besteht der meiste Abfall aus wertvollen Reststoffen, die direkt wiederverwendet oder aufbereitet und in den Kreislauf zurückgeschleust werden können. Das schont nicht nur Ressourcen und spart Energie, es schafft auch Arbeit, in den Sammel- und Sortiersystemen und beim Recycling - bis zu zehnmal mehr als die Verbrennung von Müll!

Das Ziel müsste also lauten: Lasst uns so wenig Müll wie möglich produzieren und grenzübergreifende Mehrwegsysteme aufbauen! Lasst uns Verpackungen minimieren und Geräte so produzieren, dass die Einzelteile wiederverwendet werden können! Stattdessen macht die EU das genaue Gegenteil, wenn sie die Abfallverbrennung zur "thermischen Verwertung" adelt und den Mülltourismus fördert.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Beate Willms

Beate Willms Ressortleiterin Wirtschaft und Umwelt

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • SS
    Sebastian Schley mag.jur.

    Frau Willms ist darin zuzustimmen, dass grenzüberschreitende Mehrwegsysteme aufgebaut werden sollten. Angesichts der Tatsache, dass viele Getränke derselben Marke europaweit verkauft werden, ist es jedoch nur selten möglich, die Getränkeverpackungen einem Mehrwegsystem zuzuführen, wenn man z.B. aus dem Urlaub Getränkeflaschen bzw. -dosen mitnimmt. Außerdem könnte man dadurch rechtliche Grauzonen beseitigen, wie dies bei den sog. Grenzshops in der dänisch-deutschen Grenzregion der Fall ist. Die europäische Verpackungsrichtlinie und mit ihr die deutsche Verpackungsverordnung sollten dahingehend geändert werden.