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Kommentar Milieu-Stadtpläne Verortung festigt Vorurteile

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Der Einsatz von Punktgrafiken in Stadt- und Bildungsplanung scheint indiskutabel. Doch auch der Einsatz von gröberen Milieu-Informationen könnte eine kontraproduktive Wirkung entfalten.

B ildung ist wichtig. Und es ist gut zu wissen, ob Bildungsangebote auch diejenigen erreichen, die sie zur Verbesserung ihrer Teilhabe-Chancen dringend brauchen. Was helfen tolle Förderangebote, die am Ende doch nur wieder die nutzen, die sie eigentlich nicht brauchen. Dennoch ist beim Gebrauch von Sinus-Daten Vorsicht geboten.

Der Einsatz von Punktgrafiken in Stadt- und Bildungsplanung scheint indiskutabel. Doch auch der Einsatz von gröberen Milieu-Informationen für knapp 1.000 Gebiete der Großstadt Hamburg könnte eine kontraproduktive Wirkung entfalten.

Schon heute kleiden Eltern, die Hartz IV beziehen, ihre Kinder bei der Einschulung neu ein, damit sie eben nicht in eine Schublade geraten. Schon heute leiden Kinder, die aus bestimmten Straßen oder Stadtteilen kommen, unter den Vorurteilen von Pädagogen. Eine lokale Verortung von Milieus könnte dies noch verfestigen.

Und doch: Es gibt die Chance, durch gezieltere Ansprache Bildung besser an die Menschen zu bringen. Das Dilemma: Ein gewisses Vorwissen der Anbieter und Planer müsste in einer demokratischen Gesellschaft auch transparent gemacht werden. Dies geht aber bei dem Sinus-Konzept, das die Milieus auch in Oberschicht, Mittelschicht und Unterschicht einordnet, nicht ohne eine diskriminierende Wirkung.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
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1 Kommentar

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  • D
    DactaPi

    In summa: Wissen belastet!