Kommentar Krach bei den Grünen : Der grüne Kater nach der Wahl
Im Grunde gibt es schon lange zwei grüne Parteien. Die eine ist in Zehlendorf zu Hause oder in Pankow, die andere in Neukölln oder Kreuzberg.
U nd plötzlich spielen sie Theater. Die einen kommen von rechts auf die Bühne, die andern von links. Mit hochgezogenen Nüstern beschnuppern sie sich, dann Abgang - nach rechts und links. Etwa so könnte das Drama "Der grüne Kater" an der Schaubühne inszeniert werden.
Das Publikum mag sich dabei verwundert die Augen reiben: ob der Hybris der grünen Linken, die erst Rot-Grün verhindert haben (und dabei in Klaus Wowereit einen kongenialen Partner fanden) und nun nach der Fraktionsspitze greifen. Über die bäurische Sturheit eines Volker Ratzmann, um den es immer einsamer wird - aber Hauptsache, gewählt. Über die Sorge, dass sich die Fraktion spalten wird, die selbst gestandene Bundespolitiker umtreibt.
Ratzmann auf Probezeit
Die Sorge ist allerdings berechtigt. Weniger wegen der Erklärung der Parteilinken (und wohl auch zahlreicher Inhaber von Direktmandaten), künftig eine Fraktion in der Fraktion bilden zu wollen. Nein, jetzt entzweit sich, was schon immer nicht zusammengehörte.
Im Grunde gibt es schon lange zwei grüne Parteien. Die eine ist in Zehlendorf zu Hause oder in Pankow, die andere in Neukölln oder Kreuzberg. Solange der Zeiger auf Wachstum stand, war das egal, denn alle hätten profitiert. Nun aber, da sich die gefühlten 30 Prozent für die Grünen fast halbiert haben, gehen die Verteilungskämpfe los. Das ist der Boden, auf dem sich die Partei tatsächlich zerlegen könnte.
Es liegt nun an der Fraktion, zu zeigen, ob und wie man zusammenarbeiten kann. Vor allem Volker Ratzmann muss sich bewegen: Er ist ein Fraktionschef auf Probezeit. Warum nicht Neuwahlen in sechs Monaten?
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