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Kommentar Islam-Institut an der HUScheitern als Chance für den Senat

Dass vier Islamverbände den Kooperationsvertrag mit der HU nicht unterschrieben haben, kann die Tür für einen Neuanfang öffnen.

Wenn eine Regierungskoalition bestimmte Erbstücke ihrer Vorgänger ausschlagen könnte, würde die geplante Gründung des Instituts für Islamische Theologie an der Humboldt-Uni (HU) für Rot-Rot-Grün ganz sicher zum verzichtbaren Gerümpel gehören.

Nicht, dass der Senat prinzipiell etwas gegen die Einrichtung des Ausbildungsganges für Imame und ReligionspädagogInnen einzuwenden hätte. Ganz im Gegenteil: Genauso wie der Universität das Bekenntnis zur wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Relevanz des Fachs geglaubt werden darf, so ehrlich ist auch das Bestreben der Koalition, von Integration und Gemeinschaft nicht nur zu reden, sondern die materiellen und ideellen Grundlagen dafür auszubauen oder überhaupt erst zu schaffen.

Die Partner für dieses hehre Projekt sind jedoch umstritten. Die konservative Ausprägung der Verbände, die Nähe zum türkischen Staat von zumindest zwei der fünf Organisationen und deren Bestehen auf bis ins Detail gehender Kontrolle bei der Einrichtung des Instituts dürfte einigen KoalitionärInnen reichlich Bauchschmerzen bescheren.

Insofern wäre das Ausbleiben der Unterschriften von vier der fünf Verbände ein Glücksfall und ein bequemer Ausweg aus dem Dilemma, progressive Politik ausgerechnet als Gemeinschaftsprojekt mit erkennbar rückschrittlichen Organisationen praktizieren zu müssen. Letztlich könnte ausgerechnet Ditib durch ihre unnachgiebige Haltung die Tür zu neuen Verhandlungen mit breiterer Beteiligung sowohl in den Religionsgemeinschaften als auch an der Hochschule öffnen.

So bleibt den WissenschaftspolitikerInnen der Koalition die heimliche Hoffnung, dass die Humboldt-Universität auf ihrer Position beharrt und Ditib und die anderen Verbände auch den anberaumten Gütetermin in anderthalb Wochen ohne Unterschrift verstreichen lassen. Inschallah.

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