Kommentar Internationale Kongopolitik: Unfähige und Kriminelle werden belohnt

Bei der Unterstützung des Kongos ist eine radikale Wende notwendig. Das Land braucht dringend neue politischen Organisationsformen.

Der Krieg zwischen Regierung und Rebellen im Osten der Demokratischen Republik Kongo ähnelt auf den ersten Blick einem vertrautem Muster: Eine schwache Regierung bekämpft in einer schwer kontrollierbaren Region einen starken Rebellenführer. Doch dahinter zeigt sich eine tiefer gehende Krise: Die meisten Kongolesen haben schlicht das Vertrauen in ihren neuen Staat, der 2006 mit gigantischem internationalen Engagement durch freie Wahlen geschaffen wurde, verloren. Dabei wäre dieser Staat ohne die internationale - finanzielle und militärische - Unterstützung der Regierung von Präsident Joseph Kabila vermutlich längst zusammengebrochen.

Was aber, wenn die Armee die Bevölkerung ausplündert, Milizen aushebt und vor dem Feind flieht, statt für Recht und Ordnung zu sorgen? Dann muss man sie trotzdem stärken und aufbauen, damit sie irgendwann als Armee funktioniert, scheint die internationale Gemeinschaft zu glauben. Und wenn staatliche Behörden und Unternehmen Einnahmen in Milliardenhöhe unterschlagen, statt sie für produktive Zwecke zu verwenden? Dann muss man sie nur reformieren, damit sie irgendwann korrekt arbeiten. Und wenn die Regierung sich als unfähig erweist, auch nur die einfachsten sozialen Dienste zu gewährleisten? Dann muss man sie unterstützen, damit sie irgendwann ihre Arbeit tut, scheint die naive Losung zu lauten.

Im Ergebnis bedeutet diese Politik, die Unfähigen und Kriminellen zu belohnen. Die einfachen Kongolesen wundern sich mit jedem Jahr mehr über diese Politik des Auslands - und fragen sich, wann ihnen endlich direkt geholfen wird, ihr Überleben zu sichern. Dazu braucht es neue politische Organisationsformen, um einem Land gerecht zu werden, das über die Größe Westeuropas, aber kaum Infrastruktur und sehr komplizierte innere politische Zusammenhänge verfügt.

Die bisherige Strategie hilft auf den Schlachtfeldern im Ostkongo nicht weiter. Es wäre gut, wenn daraus nicht erst ein regionaler Konflikt erwächst, bevor es zu einem Neuanfang in der internationalen Kongopolitik kommt.

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