Kommentar Imam-Ausbildung: Schritt in die richtige Richtung
Nicht-fundamentalistischen Muslimen wird so gegenüber den von Saudi-Arabien geförderten Radikalen der Rücken gestärkt.
D ie Weiterbildung für Imame in Osnabrück ist keine große Sache. Es handelt es sich um einen Integrationskurs für Imame. Dahinter steht die Idee, dass diese einerseits ihre Gemeindemitglieder besser unterstützen können; andererseits die Hoffnung, dass sie in die Gemeinden hinein als Multiplikatoren wirken können. Außerdem - und das ist das Wichtigste - positioniert sich die Universität im Wettlauf um die Einrichtung von Islam-Instituten an deutschen Universitäten.
Dieser Vorgang zeigt, dass der Islam tatsächlich dabei ist, in Deutschland anzukommen. Den geplanten Lehrstühlen wächst dabei eine Schlüsselfunktion zu: Die Religion großer Einwanderergruppen wird damit ernst genommen, ihre Vertreter werden zu Gesprächspartnern auf Augenhöhe. Für den Islam bedeutet das umgekehrt, dass er sich der Diskussion stellen muss.
Nicht-fundamentalistischen Muslimen wird so gegenüber den von Saudi-Arabien geförderten Radikalen der Rücken gestärkt. In Europa könnte ein Raum entstehen, sich angstfrei über theologische Fragen auseinanderzusetzen. An vielen arabischen Hochschulen ist das derzeit nicht möglich.
Mit Eurozentrismus hat das nichts zu tun. Die Muslime könnten vielmehr an eine islamische Tradition der Aufklärung anknüpfen. Davon, dass diese zur Zeit unseres Mittelalters zu verkümmern begann, hat sich der Islam bis heute nicht erholt.
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