Kommentar Hauptschüler-Prämie: Trostpflaster für Nieten
Die Prämie sendet falsche Signale: Sie ist Gift für das oft ohnehin angeknackste Selbstbewusstsein von Hauptschülern, die so stigmatisiert werden.
E s ist sicher gut gemeint, wenn Niedersachsens Metallarbeitgeber zum Doppelabi-Jahrgang Hauptschüler fördern wollen. Aber eine Prämie für die Unternehmen setzt an der falschen Stelle an: Wer würde statt eines Abiturienten einen Hauptschüler nehmen, nur weil das 5.000 Euro einbringt?
Die Prämie sendet auch falsche Signale. Das an die Metallbetriebe lautet: Wenn ihr euch mit einem Bildungsverlierer abeselt, der eigentlich nicht ausbildungsfähig ist, lindern wir die damit verbundene Belastung mit einem Trostpflaster. Implizit ist das auch eine Botschaft an die Azubis: Wer Nieten wie euch nimmt, dem muss man Geld zahlen. Gift für das oft ohnehin angeknackste Selbstbewusstsein von Hauptschülern. Sie werden mit solch einer Prämie stigmatisiert.
Dabei muss sich die Wirtschaft daran gewöhnen, Nachwuchs zu rekrutieren, dessen Bewerbungen sie bislang fast ungelesen in die Rundablage rutschen ließ. Der doppelte Abitur-Jahrgang ist die letzte Zuckung eines Ausbildungsmarktes, in dem vor allem die Unternehmen die Wahl hatten. Die folgenden Jahrgänge werden so dünn sein, dass die Personaler die Bewerbungshäuflein dreimal durchflöhen werden.
Zukunftsweisender als die Prämie scheint deshalb die Initiative von Nordmetall: Die Arbeitgeber stecken ihr Geld in die Qualifizierung jener, denen für die Ausbildung Vorkenntnisse fehlen. Gut investiert.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!