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Kommentar Griechenland Ärzte an ihren Grenzen

Kommentar von

Daniela Weingärtner

Im Fall Griechenland braucht die Eurozone endlich eine vernünftige Diagnose, um bei zukünftigen Staatspleiten gewappnet zu sein. Und danach eine konsequente Therapie.

W enn ein Arzt eine klare Diagnose stellt und ohne Zögern seinen Rezeptblock zückt, fühlen sich die meisten Patienten gut aufgehoben. Das fördert den Genesungsprozess. Das malade Griechenland hingegen wird von einer Expertenschar betreut, die jeden Tag andere Signale sendet. Dem Genesungsprozess war die Unentschlossenheit der Mitgliedsländer, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) jedenfalls nicht förderlich: Die Fieberkurve der Kreditzinsen stieg ständig weiter an.

Bereits im Februar gaben die Staatschefs eine Garantieerklärung für Griechenland ab, ohne einen Notfallplan vorzulegen. Ende März legten sie beim Gipfeltreffen nach und skizzierten trotz deutscher Einwände ein vages Konzept, wie im Ernstfall die Länder mit Eurowährung und der IWF gemeinsam Athen beispringen wollen. Die Kreditzinsen für griechische Staatsanleihen aber stiegen ständig. Am Wochenende lieferten die Finanzminister Details nach, betonten aber, dass Griechenland noch keine Hilfe angefordert habe - und diese voraussichtlich auch nicht in Anspruch nehmen werde.

Diese Beteuerungen glaubt inzwischen niemand mehr. Der Hinweis soll vor allem die deutschen Wähler beruhigen, da das größte Euroland den Löwenanteil der griechischen Schulden übernehmen wird. Doch das ist erst der Anfang. Wenn große Volkswirtschaften wie Spanien und Italien demnächst vor der Pleite stehen, werden viel höhere Kredite gebraucht. Statt einer aufgescheuchten Schar von Weißkitteln, die mit immer neuen Mittelchen wirkungslos herumdoktern, braucht die Eurozone eine vernünftige Diagnose. Und danach konsequente Therapie und Prophylaxe, um künftigen Krisen vorzubeugen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

1 Kommentar

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  • RK
    Rüdiger Kalupner

    "Statt einer aufgescheuchten Schar von Weißkitteln, die mit immer neuen Mittelchen wirkungslos herumdoktern, braucht die Eurozone eine vernünftige Diagnose. Und danach konsequente Therapie und Prophylaxe, um künftigen Krisen vorzubeugen."

     

    Ach, Frau Weingärtner ! Wissen Sie überhaupt, wovon Sie reden, wenn es darum geht, zukünftige System- und Wirtschafts-Crashs vorzubeugen ?

     

    Wahr ist doch folgende Therapiesituation:

    Die Durchblicker unter den Weißkitteln wissen längst, das der Patient (= frühentwickelte Industriestaaten) eine SYSTEMREVOLUTION in eine Fortschrittslogik-ohne-WACHSTUMSZWANG braucht, d.h. sich einen nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensstil zulegen muß. Das ist ja auch die Aufgabe von Angela Merkels G20-Initiative 'CHARTA für nachhaltiges Wirtschaften'.

     

    Um diese notwendige Revolution der Kultur-, Wirtschafts- und Machtstruktur hinauszuschieben, werden diese durchblickenden Weißkittel zum Auffangen der MED-EURO-Länder jeden EURO-Betrag hinblättern. Ihre Weißkittel gleichen mit jedem Tag mehr der SED-Führung und einem Erich Honecker, der auch die Signale der übergreifenden Umgestaltung nicht zur Kenntnis nehmen wollte.