Kommentar GEZ-Modell: Her mit den Milliarden

Mit dem GEZ-Modell wurde eine marktferne Parallelwelt etabliert. Wieso muss das so bleiben? Das geht an der Realität vorbei. Wir brauchen dringend eine gesellschaftliche Debatte.

Wer kennt sie nicht: Die Briefbögen der GEZ. Bild: dpa

Zur Medienrevolution gehört, dass der Begriff des Mediums selbst sich aushöhlt. Jeder, der es sein will, ist ein Medium. Die "Medien" sind nur noch Teil der Öffentlichkeit, sie sind nicht mehr die Öffentlichkeit selbst. Das tut weh, besonders den Medien.

Und da ist etwas, das ist noch schmerzhafter: Die Revolution schafft das Geld ab! Medien verlieren ihr Geschäftsmodell. Zeitungen lebten davon, dass sie den Markt organisierten. Sie umstellten ihre Rubrikenanzeigen mit Inhalt. Wer in Osnabrück ein Auto kaufen wollte, musste den Osnabrücker Boten kaufen. Zeitungen hatten ein Monopol in den Regionen. Aus den Inhalten allein hat sich allerdings noch kein Medium je refinanziert.

Heute hat nur noch eine Art von Medium ein abgesichertes Geschäftsmodell - das sind die Öffentlich-Rechtlichen. In dem Moment, da praktisch alle privaten Medien um ihre Einnahmen bangen, und überdies, wenn sie zu den alten Medien gehören, immer mehr junge Leser und Mediennutzungszeit ans Internet verlieren, haben die Rundfunk- und Fernsehanstalten einen Bestandsschutz durch eine neue Zwangsgebühr erhalten. Praktisch jeder Haushalt muss nun Fernsehgebühren bezahlen, zurzeit 215,76 Euro pro Jahr.

Das taz.lab medien in Kooperation mit der Freitag-Fabrik findet im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt. Er beginnt am Freitag, 8. April 2011 ab 18 Uhr mit einer Auftaktveranstaltung und wird am Samstag, 9. April 2011 ganztägig fortgesetzt.

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Eintrittskarten für den taz Medienkongess 2011 können ab dem 15. Januar 2011 bestellt werden, entweder im tazshop direkt in der Rudi-Dutschke-Straße 23 oder via Internet. Die Karten kosten 10, 20 oder 30 Euro. Wir stellen es unseren BesucherInnen frei, einen dieser Preise zu wählen.

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Das taz.lab medien ist erreichbar unter taz.lab@taz.de.

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Thierry Chervel ist ehemaliger Redakteur der taz und Mitgründer von Perlentaucher

Das Budget der Anstalten beläuft sich auf etwa acht Milliarden Euro im Jahr. Zum Vergleich: Die Kirchensteuer liegt bei neun Milliarden Euro. Die Gesamtheit der Kultursubventionen der Länder und Gemeinden - alle Orchester, Opern, Bibliotheken, Museen - beträgt acht Milliarden. Die öffentlich-rechtliche Parallelwelt ist den Deutschen genauso viel wert wie ihre Landwirtschaft oder die Wissenschaft.

Nun ist es ja richtig, dass jeder, der einen Kopf hat und zappt, in der Regel bei den Anstalten landet. Aber brauchen sie wirklich pro Region ein Gesundheitsmagazin? Kann es sein, dass die Öffentlich-Rechtlichen ganz allein von jener exorbitanten Kulturflatrate leben, die die GEZ jedem armen Sünderlein - wie einst die Kirche den Zehnten - abpresst? Das ZDF-Publikum ist im Durchschnitt 63 Jahre alt. Jeder 20-Jährige, der sich seine erste Butze leistet, muss dafür bezahlen. Ist das gerecht? Oder sind andere Modelle möglich?

Ließen sich die Anstalten beispielsweise um ein Viertel verkleinern, sodass zwei Milliarden Euro durch Ausschreibungen neu verteilt werden könnten? Denkbar wäre doch, dass ein Onlineportal zu Energie oder eine Datenbank zu Gesundheit ausgelobt würden - und dass alle Medien, privat oder öffentlich, sich mit ihren Konzepten darauf bewerben. Dies würde eine gesellschaftliche Debatte über die wirklich relevanten Themen auslösen. Es gibt keine Revolution, die nicht auch Institutionen sprengt.

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