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Kommentar Frauensuche Richtiges Signal gesetzt

Ilka Kreutzträger

Kommentar von

Ilka Kreutzträger

Die Suche per Annonce nach politisch engagierten Frauen wird zwar den Frauenmangel nicht lösen, ist aber immerhin eine Einladung.

E s verwundert zunächst schon, wenn per Annonce nach 50 politisch engagierten Frauen gesucht wird. Aber den Reflex, diesen Aufruf abzulehnen und irgendwie unangemessen zu finden, sollte man unterdrücken. Denn Fakt ist, dass es in der Lübecker Kommunalpolitik Männerüberschuss gibt – und nicht nur da. Und je weniger Frauen sich auf kommunaler Ebene engagieren, desto weniger kommen weiter nach oben.

Die Anzeige hat nun den positiven Effekt, dass sie dem Eindruck entgegen wirkt, politische Parteien seien geschlossene Zirkel, die kein Außenstehenden in ihre Mitte lassen. Sie ist eine Einladung, die zwar den Frauenmangel nicht lösen wird, aber ein richtiges Signal setzt.

Schade nur, dass sich selbst in einer solchen Anzeige, die ja auch bisschen spielerisch zu verstehen ist und Lust auf politische Beteiligung machen soll, das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen in der Politik geschürt wird. Es sollen sich Frauen melden, die das Machtgehabe der Männer satt haben und den männlichen Kommunalpolitikern auf Augenhöhe entgegentreten wollen. Wieso müssen auf diesem Feld Frauen immer gegen Männer ausgespielt werden? Es ist doch zu öd, wenn immer das Klischee von machtgeilen Typen und sensiblen Frauen herhalten muss.

Um nachhaltig die politische Kultur und die Geschlechterverhältnisse zu ändern, sollte man aufhören, ständig die Extreme gegeneinander auszuspielen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ilka Kreutzträger

Ilka Kreutzträger Redaktionsleiterin Nord

Jahrgang 1977, die Soziologin arbeitete lange für die taz nord als Autorin und CvD sowie für den NDR in Hamburg als Nachrichtenredakteurin Online und Radio, ging dann kurz zum stern und war stellvertretende Ressortleiterin Lokales bei der Hamburger Morgenpost. Sie gibt an der Uni Bremen seit 2013 Schreib-Workshops. Seit 2023 ist sie Redaktionsleiterin der taz nord.
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1 Kommentar

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  • MD
    Matthias David Kramer

    Liebe Frau Kreutzträger,

     

    die von Ihnen kritisierten Worte in unserer Anzeige bzgl. dem Machtgehabe der Männer entstammen nicht dem Vorkabular der BfL sondern sind ein Zitat aus der letzten Sitzung der Frauen- und Sozialverbände in Lübeck. Diese hatten wir zum Anlass für unsere Anzeige genommen.Den Bürgern für Lübeck liegt es fern, "...das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen in der Politik..." zu schüren.

    Mit freundlichen Grüßen

    Matthias David Kramer

    Vorsitzender BfL