Kommentar Frankreichs Grüne: Les Verts werden modern

Les Verts haben den Beweis ihrer Reife erbracht und wollen für voll genommen werden. Dabei können sie sich auf die Wählergunst und die Popularität neuer Gesichter berufen.

Dass nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima auch in Frankreichs politischer Landschaft nichts mehr sein wird wie früher, hoffen die französischen Grünen. Der nukleare Konsens ist erschüttert, das bisherige, ziemlich kurzfristige Kosten-Nutzen-Denken in der Energiepolitik weicht der Skepsis.

Dass so mancher Nachbar einen anderen Weg einschlägt, gibt selbst in diesem Atomstaat zu denken, in dem man sonst gern mit gallischer Rechthaberei an einer exception française festhält.

Die Grünen können darauf verweisen, dass ihnen die Geschichte recht gegeben hat. Die Sozialisten und die Kommunisten verharren dagegen in ihrer Zustimmung zur Atomkraft und zeigen sich den Herausforderungen des Klimawandels immer noch nicht gewachsen. Diese traditionellen Parteien der parlamentarischen Linken haben die Grünen immer nur als nützliche Juniorpartner akzeptiert.

RUDOLF BALMER ist Frankreich-Korrespondent der taz.

Heute glauben Les Verts den Beweis ihrer Reife erbracht zu haben und wollen für voll genommen werden. Sie berufen sich dabei nicht nur auf den Meinungsumschwung bei der Atomkraft und zunehmende Wählergunst, sondern auch auf die Popularität neuer Gesichter wie der auf den Kampf gegen Korruption spezialisierten Exuntersuchungsrichterin Eva Joly oder des Medienstars Nicolas Hulot. Die französischen Grünen haben in der Vergangenheit oft nach Deutschland geschaut, ohne ein Modell kopieren zu wollen.

Auch in ihren Ambitionen im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl in einem Jahr stehen sie der deutschen Schwesterpartei in nichts nach: Selbstbewusst fordern sie die Sozialisten dazu auf, dass diese ihre Umweltpositionen für Koalitionsverhandlungen auf einen neuen Stand bringen möchten. Und nach einem Wahlsieg wollen Les Verts dann in einer Regierung den Ton angeben.

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Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft. Gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien) und die „Neue Zürcher Zeitung“.

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