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Kommentar Frankfurter FlughafenDie heilige Kuh schlachten

Timo Reuter

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Timo Reuter

Am Drehkreuz Frankfurter Flughafen wird weiter auf Wachstum gesetzt. Die Nachhaltigkeit bleibt auf der Strecke.

D ie These vom nachhaltigen Wachstum entpuppt sich an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt als Farce. Dieser wurde immer dann ausgebaut, wenn der Flughafenbetreiber mit dem Finger schnippte und Bedarf anmeldete. In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Flüge verdoppelt – auf knapp 500.000 jährlich. Auf ökologische und gesundheitliche Bedenken wurde dabei nur eingegangen, wenn sie nicht die heilige Kuh antasteten: das Wachstum. Dabei ist die Belastung enorm hoch: Fluglärm macht krank und Flugverkehr ist das umweltschädlichste Verkehrsmittel.

Dennoch soll der Frankfurter Airport weiter expandieren – mitten in einem Ballungsgebiet. Zwar gibt es erhebliche Zweifel an der Zahl neu geschaffener Jobs, und die Bedarfsprognosen wurden stark nach unten korrigiert. Doch was zählt, ist Wachstum – egal wie groß. Selbst die nun das Land regierenden Grünen trauen sich nicht, diese heilige Kuh anzutasten. Sie betreiben nur Kosmetik, dabei bedarf es eines ausgewogenen, aber echten Kurswechsels. Dazu muss das Konzept der Luftfahrtdrehkreuze zugunsten dezentraler Alternativen verworfen werden. Denn mehr als die Hälfte der Passagiere in Frankfurt sind Umsteiger.

Zudem wäre eine Einschränkung der Kurzstreckenflüge nötig. Etwa jeder dritte Flug von Frankfurt ist innerdeutsch oder führt in Nachbarländer. Ziele, die meist bequem mit der Bahn zu erreichen sind. Dafür sind wir alle in der Verantwortung – vor allem aber die Politik. Sie muss die 11,5 Milliarden Euro an jährlichen Subventionen für den Flugverkehr streichen, eine Kurzstrecken-Steuer erheben und das Bahnfahren attraktiver machen.

Das würde zwar auf erheblichen Widerstand stoßen – wäre aber das einzig Richtige. Denn Wachstum darf kein Tabu sein, wenn es nachweislich krank macht.

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Timo Reuter

Timo Reuter Autor

Jahrgang 1984, ist Autor der taz in Frankfurt. Bereits seit Kindertagen spielt er gern mit Worten. Hat deshalb Philosophie studiert (und Mathematik). Nach Stationen bei Radio (Spaß) und Fernsehen (Öffentlich-Rechtlich) schreibt er ein Buch (Grundeinkommen) und berichtet seit mehreren Jahren für die taz, die Frankfurter Rundschau, Zeit Online, den Freitag, das Neue Deutschland und verschiedene Lokalzeitungen über das politische Zeitgeschehen, soziale Bewegungen, gesellschaftlichen Stillstand, Medien, Fußball und über diejenigen, die sonst keine Stimme bekommen.
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1 Kommentar

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  • Denn Wachstum darf kein Tabu sein, wenn es nachweislich krank macht.

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    Ein Rufer in der Wüste? Es wird auch (wie bei dem Letzten) wohl 2.000 Jahre brauchen bis sich diese gute Idee wohl durchsetzt.

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    Ob dann von der Grundidee (wie bei dem Letzenmal) viel überig bleibt?

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    Wahrlich ich sage EUCH "Eher wird der letzte Tropfen Rohöl auf dieser Welt durch eine Flugzeugturbine gejagt,..... als das ein Verkehrspolitiker mit Augenmass für das "Volk" handelt!"(1)

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    Meint

    Sikasuu

    (1) wer Anklänge an einen noch weit verbreiteten Aber-, Fetischglauben zu finden meint, darf die behalten. er hatte Recht!