Kommentar Einwanderungspolitik : Fatale Abschottung
Weil immer weniger Einwanderer ins Land gelassen werden, gehen Deutschland die Fachkräfte im Handwerk, in der Pflege und anderswo aus.
Die Zahlen sind eindeutig. Die Einwanderung in Deutschland ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Der Ehegattennachzug ist eingebrochen, der Spätaussiedlerzuzug drastisch zurückgegangen, die Zuwanderung jüdischer Migranten aus den GUS-Staaten kam fast vollständig zum Erliegen. Die Abschottungspolitik, die die Bundesregierungen seit vielen Jahren betreibt, trägt Früchte. Gleichzeitig kommt die durchaus gewünschte Anwerbung qualifizierter Fachkräfte nicht in Schwung. Das Ergebnis: Die Anzahl der Neueinwanderer sinkt und sinkt und sinkt.
Dabei sagt die Mehrzahl der wissenschaftlichen Prognosen: Deutschland braucht mehr Einwanderung. Aufgrund der demografischen Entwicklung steht ein Arbeitskräftemangel bevor - nicht nur für hoch qualifiziertes Personal. In der Pflege werden bereits händeringend Fachkräfte gesucht, das Handwerk steht vor einem Nachwuchsproblem.
Doch für die einen ist Deutschland nicht attraktiv - die anderen lässt die Bundesregierung nicht ein. So hat die große Koalition mit der Verschärfung der Regeln zum Ehegattennachzug im vergangenen Jahr eine der wenigen Möglichkeiten, einzuwandern, drastisch erschwert. Die Ehepartner müssen nun vor der Einreise erste Deutschkenntnisse vorweisen - allerdings nicht alle. US-Amerikaner und Japaner beispielsweise brauchen diesen Nachweis nicht. Kein Wunder, dass die türkischstämmigen Einwanderer, die weitaus größte Migrantengruppe, dies als Antitürkengesetz begreifen. Die Message ist klar: Ihr seid Bürger zweiter Klasse, wir wollen euch nicht.
Inzwischen verlassen mehr Türken Deutschland, als neue einwandern. Neben Rentnern, die in ihre alte Heimat zurückkehren, dürften das genau jene Migranten sein, die Deutschland braucht: gut ausgebildete, kreative junge Menschen, die zudem hier aufgewachsen sind. Sie suchen jetzt ihr Glück in Istanbul und anderswo.
Es ist an der Zeit, Deutschland für Migranten attraktiv zu machen. Mit dem Abschottungsdenken muss Schluss ein. Wer signalisiert: Lieber bleiben wir unter uns, dem gelingt beides nicht - weder die Integration im Innern noch die gezielte Neueinwanderung von außen.
Umverteilung gegen rechts
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