Kommentar Datenaffäre: Mehr Mensch als Kapital

Das Ansinnen der Kreisverwaltung Schleswig-Flensburg, umfassend über den Gesundheitszustand von BewerberInnen informiert zu werden, ist verwerflich.

Das Ansinnen der Kreisverwaltung Schleswig-Flensburg, umfassend über den Gesundheitszustand von BewerberInnen informiert zu werden, ist verwerflich. Hier zeigt sich, wie weit die Vorstellung vom Humankapital, von der effizienten Verwertung von Menschen Raum in unserer Gesellschaft gefunden hat.

Wer jenseits von der Frage nach der Befähigung für spezielle Aufgaben danach fragt, wie gesund jemand sei, betreibt Selektion. Er sortiert Menschen aus, einfach weil sie so sind, wie sie sind. Wer das zulässt, braucht sich mit der Integration Behinderter erst gar nicht abzugeben. Die Erfüllung der Behindertenquote wäre ein bloßes Alibi.

Es ist eine Selektion nach zweifelhaften Kriterien. Denn die Frage von Gesundheit oder Krankheit ist auch eine Frage der Definition, der Bewertung und der Macht. Leuten, die auf eigene Kosten und aus eigenem Entschluss eine Psychotherapie absolvierten, wird es schwer gemacht, in eine private Krankenkasse aufgenommen zu werden. Mit welchem Recht? Wer wäre Mitte der 80er Jahre - und in manchen Fällen wohl sogar noch heute eingestellt worden - wenn er zugegeben hätte, an Aids erkrankt zu sein? Welchen Schluss wird wohl ein Arbeitgeber ziehen, wenn er erfährt, dass eine Frau eine Fruchtbarkeitsbehandlung durchlaufen hat?

Wenn demnächst Gentests abgefragt werden, landen wir vollends im Menschenpark.

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