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Kommentar BohrinselUnfälle müssen teuer werden

Heike Holdinghausen

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Heike Holdinghausen

Die Erdöl-Förderung in empfindlichen Meeresregionen ist unverantwortlich. Ein internationaler, aus Gewinnen der Ölförderung gespeister Fonds für den Schadensfall ist nötig.

E s ist absurd: Mit sündhaft teurer Spitzentechnologie wird in unzugänglichsten Meeresregionen nach Öl gesucht. Und im Falle eines Unfalls herrscht völlige Hilflosigkeit. Während die Regierungen und Ölkonzerne einen großen finanziellen und diplomatischen Aufwand betreiben, um Lagerstätten aufzustöbern und auszubeuten, ist die Vorsorge für den Katastrophenfall gering. Dabei werden wir noch viele, schlimmere Unfälle zu sehen bekommen als die Explosion der "Deepwater Horizon".

Experten sind sich einig, dass diese Bohrinsel des Schweizer Unternehmens Transocean dem neuesten Stand der Technik entspricht - sicherer geht es wohl nicht. Doch die Einsatzorte der Plattformen werden riskanter, die Förderregionen liegen in immer tieferen Meeresregionen. Die Arktis-Anrainer bereiten die Ausbeutung der Vorkommen in der Barentssee vor, vor der Westküste Afrikas entstehen neue Bohrflächen.

Die Förderung von Erdöl in empfindlichen Meeresregionen ist unverantwortlich. Weil aber sowohl Regierungen als auch Ölkonzerne nicht den Eindruck machen, auch nur auf einen Tropfen Öl verzichten zu wollen, müssen sie wenigstens anfangen, die Folgen ihrer Arbeit mitzudenken. Das heißt: Wir brauchen einen internationalen, aus den Gewinnen der Ölförderung gespeisten Fonds für den Schadensfall - ähnlich dem schon existierenden Fonds für die Verschmutzungen durch Öltanker.

Heike Holdinghausen

ist Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt bei der taz.

Abgesehen davon, dass sich die Betroffenen dann nicht durch die Instanzen des Rechtssystems der zuständigen Staaten klagen müssten, bevor sie für verseuchte Fischgründe oder vergiftete Ufer entschädigt würden - ein solcher Fonds hätte auch einen disziplinierenden Effekt. Ein potenzieller Unfall wäre für die Konzerne schon jetzt teuer. Und Geld ist ja das Einzige, worum es ihnen geht.

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Heike Holdinghausen

Heike Holdinghausen Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

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1 Kommentar

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  • GV
    Gernot von Schultzendorff

    Die in diesem Artikel geäußerte Vermutung, dass auf der "Deepwater Horizon" die modernste Sicherheitstechnik eingesetzt wurde, ist falsch. Das Wallstreet Journal berichtet in seinem Artikel "Leaking Oil Well Lacked Safeguard Device" vom 28.4.2010:

     

    "The oil well spewing crude into the Gulf of Mexico didn't have a remote-control shut-off switch used in two other major oil-producing nations as last-resort protection against underwater spills."

     

    Bei den "two other nations" handelt es sich um Norwegen und Brasilien, der Einsatz dieser Technologie (Kostenpunkt ca. 500.000$) wurde in den USA lange diskutiert, aber aus Kostengründen letztlich nicht vorgeschrieben.