Kommentar Beluga-Reeder: Den Teufel ins Haus geholt
Stolberg hat einen großen Fehler gemacht: Mit dem Hedgefonds Oaktree hat er sich nichts anderes als den Teufel ins Haus geholt - und sich von ihm Vertragsklauseln diktieren lassen, die unter hanseatischen Kaufleuten als sittenwidrig gelten würden.
D as Leben des Niels Stolberg ist der deutsche Traum: Aus kleinen Verhältnissen kommend, hat er sich zum weithin respektierten Reeder hochgearbeitet, sich durch Innovationsfreude und das geschickte Besetzen von Nischen zum Weltmarktführer gemausert, nicht etwa durch die schamlose Über-Ausbeutung fremder Arbeitskraft.
Zur öffentlichen Person machte sich der Sonnyboy der Branche, indem er sich von Beginn an als sozialer Unternehmer gerierte: mit leidlich fairen Arbeitsbedingungen, als großzügiger Mäzen für Bildung, Soziales, Kultur und Sport.
Quasi als Siegel auf seinen gesellschaftlichen Aufstieg schaffte er es in den Aufsichtsrat von Werder Bremen.
Dass sein Werk nun zur Disposition steht, er selbst in seiner Firma nichts mehr zu melden hat, wird jene - konservativen - Reeder mit Schadenfreude erfüllen, die von jeher mit Argwohn auf den Erfolg des Emporkömmlings geblickt haben.
Dabei hat Stolberg nur einen Fehler gemacht - allerdings einen schwerwiegenden: Mit dem Hedgefonds Oaktree hat er sich nichts anderes als den Teufel ins Haus geholt - und sich von ihm Vertragsklauseln diktieren lassen, die unter hanseatischen Kaufleuten als sittenwidrig gelten würden.
Nur: Stolberg hatte keine Wahl. Denn die Neigung von Banken, mitten in der Wirtschaftskrise Reedereien mit Schlagseite frisches Geld nachzuschießen, ist begrenzt.
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