Kommentar Bankenkrise: Systematische Verharmlosung

Verantwortlich für die Bankenkrise sind nicht allein die Vorstände und Manager der Banken, auch die Bankaufsicht und die Bundesregierung haben einen Anteil daran.

Zu den beliebten Gerüchten im Umkreis der Immobilienkrise gehört es, dass selbst die Spezialisten in Banken und Aufsichtsbehörden um die Risiken nicht gewusst hätten. Man sei erstaunt gewesen, welch fatale Wirkung die faulen Hauskredite aus den USA im Weltfinanzsystem plötzlich anrichteten. Indem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in seiner Regierungserklärung am Freitag auf die bösen Bankmanager schimpfte, nahm er den Überraschungseffekt auch für sich in Anspruch. Diese Geschichte kann nicht stimmen.

Gewiss gibt es immer wieder Dinge unter der Sonne, die Menschen unvorbereitet treffen. Nicht aber im Falle der aktuellen Krise. Seit mehreren Jahren warnt beispielsweise die britische Zeitschrift Economist vor dem Platzen der Immobilienblase in den USA. Im Dezember 2005 bereits wies der Internationale Währungsfonds auf Risiken hin. Eine Anzahl der in Deutschland am meisten betroffenen Banken ist in öffentlichem Besitz. In ihren Kontrollgremien sitzen Politiker und politische Beamte. Zumindest einigen von ihnen kann man genug Sachverstand zutrauen, um auch neue und komplizierte Finanzprodukte zu durchschauen und die damit zusammenhängenden Probleme zu analysieren. Nicht hundert Prozent der im Bankensektor beschäftigten Menschen sind Dummies. Man konnte die Risiken sehen, doch man wollte sie nicht wahrnehmen, solange die Geschäfte funktionierten.

Verantwortung dafür tragen die Vorstände und Manager der Banken, aber auch die Bankaufsicht und die Bundesregierung. Bei der öffentlichen Marktaufsicht über den Finanzsektor bestehen systematische Defizite, die auch permanent verharmlost werden. Bislang hat man es auch deutschen Banken erspart, risikoreiche Geschäfte im Ausland der hiesigen Bankaufsicht vorlegen zu müssen. Das soll sich mit einigen neuen Gesetzesinitiativen der Bundesregierung zwar teilweise ändern, aber weiterhin wird es dunkle Stellen geben, die nicht ausgeleuchtet werden. Trotz der gegenwärtigen Krise fehlt der politische Wille, daran etwas zu ändern.

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Geboren 1961, ist selbstständiger Wirtschaftskorrespondent in Berlin. Er schreibt über nationale und internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik. 2012 veröffentlichte er zusammen mit Bernhard Pötter und Peter Unfried das Buch „Stromwechsel – wie Bürger und Konzerne um die Energiewendekämpfen“. 2007 erschien sein Buch „Soziale Kapitalisten“, das sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Bis 2007 arbeitete Hannes Koch unter anderem als Parlamentskorrespondent bei der taz.

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