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Kommentar Aus für die "Zweite Hand" Warnung an die Hinterbliebenen

Susanne Memarnia

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Susanne Memarnia

Die Weigerung, den Entlassenen Abfindungen zu zahlen, sollte den übrigen Mitarbeitern des Tagesspiegel-Imperiums zu denken geben. Das könnte der Präzedenzfall sein.

S ie war mal Kult, die Zweite Hand, Mutter aller Annoncenblättchen. In jenen Zeiten, als man noch nicht im Internet nach allem und jedem suchen konnte, war sie der angesagte Ort, um kostenlos Wohnungen, Gebrauchtautos oder Klaviere zu finden. Dass dieses Geschäftsmodell in Zeiten von Ebay-Kleinanzeigen schwierig geworden ist, liegt auf der Hand. Aber mit einem gelungenen Online-Auftritt hätte sich die Zweite Hand vielleicht in die neue Zeit retten können.

Jetzt aber – nachdem die Geschäftsführung offenbar ein paar Jährchen geschlafen hat – den Mitarbeitern, die die Suppe auslöffeln müssen, die Abfindungen vorzuenthalten ist besonders dreist. Natürlich wäre das teuer. Viele der 16 Betroffenen arbeiten seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen. Da kämen schon mal 70.000 Euro und mehr pro Nase heraus. Solche Summen spart jeder gern, auch wenn man sich wie der Holzbrinck-Konzern „Familienunternehmen“ nennt.

Denn auch solche unterliegen der kapitalistischen Logik: Da werden Tochterunternehmen gegründet, was das Zeug hält, Dienstleistungen ausgelagert, Arbeitsbedingungen verschlechtert – alles, was Geld bringt, ist recht. Die übrigen Mitarbeiter im Tagesspiegel-Konzern sollte der Fall Zweite Hand daher aufhorchen lassen: So wird mit euch vielleicht auch mal umgesprungen. Denn der Konzern hat nun gezeigt, worauf er Wert legt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Susanne Memarnia

Susanne Memarnia Redakteurin taz.Berlin

Ressortleiterin der Berlin-Redaktion, zusammen mit Erik Peter. Seit 2003 bei der taz, Themenschwerpunkte sind Migration, Soziales, Antirassismus.
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1 Kommentar

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  • UWB

    Also: Die Kritik am Umgang mit abhängig Beschäftigten im schreibenden Gewerbe teile ich ja. Aber da hat doch offensichtlich nicht nur die Geschäftsführung geschlafen - wenn sie denn geschlafen hat, und die Fortexistenz der "Zweiten Hand" nicht schon bisher eine Art Sozialplan war...

    Mit "einem gelungenen Online-Auftritt hätte sich die Zweite Hand in die neue Zeit retten können".... Was träumen Sie nachts? Solche Blättchen sind - digital oder nicht - obsolet, und das seit Jahren.