herzensort: Komm, wir suchen Winterlinge!
Erst die Kameruner Straße im Berliner Stadtteil Wedding Richtung Westen entlang. Dann die Afrikanische Straße überqueren und weiter geradeaus in die Tangastraße. An deren Ende beginnt der Goethepark – ein urbaner Allerweltsflecken, kaum den Namen „Park“ wert. Den durchquert, wer von hier zum Plötzensee oder weiter in die Rehberge will. Das kleine Denkmal, das an Goethe erinnert, wird regelmäßig mit Graffiti verziert, und wieder gesäubert. Die Kontinuität dieses Gebarens wirkt wie ein Statement: Der alte Goethe trifft auf den modernen Goethe und alles ist Poesie.
Mitte Februar aber, so wie jetzt, passiert im Goethepark ein Wunder. Um es zu erleben, sollte man den kleinen Hügel links hoch gehen, ein paar Treppen hinauf, dem schmalen Pfad folgen und ins Unterholz starren, dort wo die Erde mit dunkelgrünem Efeu überwuchert ist. Und plötzlich sind sie zu sehen, diese gelben Tupfer, die noch in der Dämmerung wie Sterne leuchten. Winterlinge sind es, viele, mit gelben Blüten und fingrigen Blättern, die die Blütenköpfe stützen. Und alles ist so winterklein, so frühlingssehnsuchtsgroß.
Waltraud Schwab
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