Kolumne: Berlin bleibt arm und Mieterstadt

Die Eigentumsquote ist deutlich geringer als in anderen deutschen Städten, im europäischen Vergleich hinkt Berlin sowieso hinterher.

Die Mieten steigen, und (fast) keiner will eine Eigentumswohnung. So könnte man die Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Jutta Mattuschek (Die Linke) interpretieren. Demnach ist die Zahl der Eigentumswohnungen in Berlin von 221.000 im Jahr 2003 auf 248.000 im Jahr 2007 gestiegen. Das macht zwar einen Anstieg von 12,2 Prozent, ist aber im Vergleich zum gesamten Wohnungsbestand noch immer gering. 1,88 Millionen Wohnungen gibt es in Berlin, die sogenannte Eigentumsquote liegt damit bei nur 13 Prozent. Die spannende Frage nun lautet: Ist das gut, oder ist das schlecht?

Hilfreich ist zunächst ein Blick auf die Wohneigentumsquote in anderen Ländern. Die liegt in Spanien zum Beispiel bei fast 90 Prozent, und auch in ehemaligen Ostblockländern wie Bulgarien gibt es weit mehr Eigentums- als Mietwohnungen. In der gesamten EU beträgt der Anteil von Eigentumswohnungen mehr als 60 Prozent.

Im Vergleich dazu ist Deutschland noch immer einig Mieterland. Nur etwas mehr als 40 Prozent der Deutschen leben im Eigenheim, im Süden der Republik etwas mehr als im Norden. Mit 13 Prozent Eigentumsquote ist Berlin also absoluter Spitzenreiter in Sachen Wohnen zur Miete.

Für den Berliner Mieterverein ist das eine zweischneidige Sache. Mitarbeiter Reiner Wild führt die niedrige Eigentumsquote unter anderem darauf zurück, "dass den Berlinern das Kapital fehlt, um Eigentumswohnungen zu kaufen". Eine niedrige Eigentumsquote ist demnach auch ein Hinweis auf die schwierige Einkommenssituation der Bewohner einer Stadt.

Ganz unglücklich scheinen die Mietervertreter aber nicht darüber zu sein, dass die Berliner sexy sind, aber auch arm. So bleibt Berlin nämlich Mieterstadt und der Wohnungsmarkt ein Mietermarkt. Voraussetzung dafür aber, betont der Mieterverein immer wieder, sei ein genügend großer Wohnungsbestand in der Hand städtischer Unternehmen.

Etwas anders sieht das der Senat. Zwar hat Rot-Rot ausgeschlossen, weitere Wohnungsbaugesellschaften zu verkaufen, die Eigentumsquote aber soll erhöht werden. Plädiert die Linke dabei vor allem für die Förderung von Genossenschaften, hat die SPD auch nichts gegen die klassische Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Blöd für die Linke ist aber, dass die Anfrage ihrer Abgeordneten ergeben hat, dass gerade der Anteil der Genossenschaftsmitglieder in den vergangenen Jahren leicht gesunken ist - von 258.000 im Jahr 2003 auf 256.000 im Jahr 2007.

Auch Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hätte nichts dagegen, wenn die Zahl der Wohnungseigentümer stärker steigt als um ein paar Prozent. Doch die Förderung von Baugruppen alleine kann es mit der Konkurrenz auf der grünen Wiese im Umland nicht aufnehmen. Brandenburg nämlich hat mit knapp 40 Prozent die zweithöchste Wohneigentumsquote in den neuen Bundesländern. Spitzenreiter ist Thüringen mit ein paar Zehntelprozentpunkten mehr.

Und die Berliner Mieter? Gäbe es angesichts der turbulenten Zeiten nicht ein Stück Sicherheit, die Erbschaft zum Beispiel in Wohneigentum anzulegen? Nicht unbedingt, meint Reiner Wild und verweist darauf, dass die Immobilienpreise nur in wenigen Quartieren stabil sind. "Dort ist auch ein großer Teil der Wohnungen umgewandelt." Überall dort, wo die Preise fallen, ist der Immobilienerwerb also riskanter als das Wohnen zur Miete.

Scheint also, dass die Berliner auch deshalb Mieter sind, weil sie auf Nummer sicher gehen. Im Vergleich zum Kauf auf Pump in den USA ist das gar keine schlechte Strategie.

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