Kolumne Trikottausch 7: Für uns oder für die Nigerinnen?

Fräulein Mbabi muss sich entscheiden. Und Silvia Neid muss das Oma-Prinz-Problem lösen. Aber hat sie die Eier dafür?

Jaa! Jaa! Jaaaaa! Der erste Teil ist geschafft: "Deutschland hat eine Sieg-Quote von 100 Prozent, ist bereits sicher fürs Viertelfinale qualifiziert", erläutert taz-Expertin Marie-Claude Bianco (37).

Den hochverdienten Sieg über die mädchen-feindlichen Nigerinnen (erst gegen süße Guini-Girls lästern, dann über Mädchen stänkern, die Mädchen mögen, dann unsere Mädchen treten, kratzen, beißen) haben WIR mit mehr als nur einem Piccolöchen gefeiert. Haben uns in die Autokorsos eingereiht, unsere schwarz-rot-blonden Fahnen geschwenkt, lagen uns mit wildfremden Mädchen in den Armen.

Jetzt geht es weiter. Aber: Über das Spiel gegen Nigeria (West-Afrika) müssen WIR reden. Sofort!

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Denn jetzt fragen alle: Was war mit Céli-Baby (23) los? Oder muss es heißen: Was war mit Fräulein Mbabi los? Denn TRIKOTTAUSCH-Recherchen haben ergeben: Céli heißt eigentlich "Okoyino da Mbabi", ihr Vater ist aus Kamerun (auch West-Afrika!).

Wollte Fräulein Mbabi nicht gegen ihre Kusinen gewinnen? Einmal stellt sie sich ins Abseits, verhindert das tod-sichere 1:0. Dann ist nichts mehr von ihr zu sehen. Und bei ihrer Auswechslung heißt es: Frankfurt, 22.33 Uhr, die Frisur sitzt... Kein blauer Fleck, kein Fingernagel abgebrochen, keine Laufmasche – krasser Unterschied zu Melanie Behringer (25, Außenband-Dehnung!) und (fast) allen UNSERER Girls!

War sie heimlich für die Nigerinnen? Das wäre kein einmaliger Ausrutscher, das könnte sie wieder tun! Denn WIR spielen nicht nur am Dienstag (20.45 Uhr, Mädchen-Sender ZDF, Termin schon vorgemerkt) gegen die schnuckligen Franzen-Häschen. Auch im Finale (Sonntag 14. Juli, 20.45 Uhr, Nöl-Sender ARD, Termin jetzt schon vormerken!) könnten WIR auf die schicke "Equip Mademoiselle" (Französisch für: "Mädels-Mannschaft"). Dann hätten WIR dasselbe Problem. Denn TRIKOTTAUSCH-Recherchen haben ergeben: Fräulein Mbabis Mutter ist aus Frankreich! Können WIR uns ein solches Risiko erlauben?

Fräulein Mbabi! Wir lieben es, wenn Sie für uns zaubern! Und denken Sie bitte dran, dass WIR Sie immer gut behandelt haben! Sie haben bei uns (Bonn) Abitur gemacht, dürfen sogar bei uns (Koblenz) studieren. (Zwar nur Kulturwissenschaft, aber die Mädchen bei Ihnen in Afrika können von so was nicht mal träumen!)

Aber: WIR können so eine Arbeitsverweigerung nicht durchgehen lassen. Fräulein Mbabi, Sie müssen sich entscheiden: Sind Sie für UNS oder gegen UNS? WIR oder die, Schwarz oder Weiß, Teil der Mannschaft oder Teil des Problems! Dazwischen gibt es nichts!

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Nun zum anderen, total hoffnungslosen Problem. Und das heißt Oma Prinz (33). Was die Fachpresse vor dem Spiel gesagt hat, hat jetzt – leider, leider – die ganze Welt gesehen. Die Terror-Oma ist eine Gefahr für UNS alle: Weigert sich, unsere Zauber-Hymne mitzusingen, guckt nur verbiestert in die Luft. Dann stolpert sie verwirrt über den Platz (Brille weg? Alzheimer?), steht ständig im Weg herum, macht mit sinnlosem Plumps-Rückzieher unseren Angriff kaputt!

Als Trainerin Silvia Neid (47) sie endlich rausholt (52.), zickt sie nur rum. Sogar nach Abpfiff feiert sie nicht mir unseren Girls, macht nur die Mecker-Liese. Auch später zeigt sie keine Einsicht, nur Altersstarrsinn: "Ich weiß nicht, ob es das Thema des Abends ist, dass ich die Gründe meiner Auswechslung verstehe."

Nun, WIR haben nichts gegen Omas, einige unserer liebsten Omas waren Omas! Aber diese Omas haben nie eine Weltmeisterschaft gefährdet. Deshalb fragen jetzt alle: Hat Silvia Neid die Eier, das Oma-Prinz-Problem zu lösen?

Denn klar ist: Wenn nicht, wird das Prinz-Problem zum Neid-Problem. Klar ist außerdem: Oma Grings (53.) für Oma Prinz (33) ist auch keine Lösung. Und klar ist: Jogi Löw (51), Felix Magath (57), Jupp Heynckes (66)... sie alle haben Eier. Muss am Ende so ein Kerl ran?

Kriegen WIR dann wieder Sommer-Mädchen-Zauber-Wetter?

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Von Juli 2007 bis April 2015 bei der taz. Autor und Besonderer Redakteur für Aufgaben (Sonderprojekte, Seite Eins u.a.). Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik 2011. „Journalist des Jahres“ (Sonderpreis) 2014 mit „Hate Poetry“. Autor des Buches „Taksim ist überall“ (Edition Nautilus, 2014). Wechselte danach zur Tageszeitung Die Welt.

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