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Kolumne Ich meld' michIgnoranz im Indischen Ozean

Markuslanzclaudiarothgüntergrass – nichts davon steht in „Colombos Daily Mirror“. Die Erschütterung der Lesegewohnheiten beim Reisen.

E s gibt so einiges, was die Leserinnen und Leser des Daily Mirror in Colombo an diesem Dienstagmorgen im Dezember zum Frühstück erfahren: Die Oppositionsparteien haben sich auf einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen geeinigt. China hat 805,5 Millionen US-Dollar für den Ausbau der Straße von Matara nach Baliatta zugesagt. In der Region Puttalam haben wochenlange Regenfälle mehrere Shrimps-Farmen überflutet und 300 Familien ihrer Lebensgrundlagen beraubt.

Die Singer-Haushaltsgeräte-Kette verkauft ab sofort auch Sony-Produkte. Bei der Internationalen Maritimen Konferenz in Galle beratschlagen Teilnehmer aus 36 Ländern, wie sie künftig gegen Menschenhandel, Drogenschmuggel und Piraterie vorgehen wollen. Die Pan Asia Bank offeriert Ausbildungskredite bis zu 7,5 Millionen Rupien.

1.000 Menschen haben die Straße von Padeniya nach Anuradhapura blockiert und die Regierung aufgefordert, Elektrozäune gegen marodierende wilde Elefanten zu errichten. Beim Veteranen-Sportfestival hat Saman Kumara, der sein Geld als Sandträger am Kelani-Fluss verdient, Gold in vier Laufdisziplinen gewonnen. Umweltschützer warnen, dass sich im Tal von Dumbara eingewanderte Pflanzen wie die Riesenmimose besorgniserregend ausbreiten.

Die Bank of Ceylon pflanzt anlässlich ihres 75. Geburtstags 100.000 Bäume. Die Uni für darstellende Künste zeigt eine Ausstellung chinesischer Schriftzeichen. Leserbriefschreiber empören sich, dass ein Schweizer Paar in einem Nachtclub ausgeraubt wurde und das Land dadurch einen Imageschaden erleide. Laut Forbes Magazin gehört Sri Lanka zu den zehn coolsten Reisezielen 2015.

Eine ganze Seite beschäftigt sich mit internationaler Politik. Europa kommt zweimal vor: Die Nato klagt Russland an. Die Türkei verhandelt mit den USA. Und kein Wort von den neuen Leiden eines Jürgen Klopp, den letzten Tiefschlägen des Horst Seehofer, den jüngsten Zahlen eines Hartmut Mehdorn? Nichts von Markuslanzclaudiarothgüntergrasstilschweigermariobarth? Gar nichts? Kaum zu glauben.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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