Kolumne Die Kriegsreporterin

Der Bilderbuchkerl und die Vogelkacke

„Mit Club Mate gegen Vogelscheiße“ kann ja nur im Heft für den modernen Outdoorhelden, also in „Walden“, stehen. Das ist erst der Anfang.

Ein Auto voller Vogelkot

Vogelscheiße entfernen gehört offenbar auch zu den Vor-der-Tür-Haushaltstipps für Männer. Foto: imago/Michael Schöne

Hallo taz-Medienredaktion!

Das überraschende Ergebnis des Reporter-Forums von vor zwei Wochen ist das, dass der Chefredakteur des Spiegels, Klaus Brinkbäumer, zu der Erkenntnis gelangt ist, man müsse bezüglich der Produktionsprozesse transparenter werden. Der Mensch außerhalb der elitären Medientürme aus Elfenbein sei so schlecht auf die Medien zu sprechen, weil er nicht verstehe, wie gearbeitet werde. Deshalb wolle man nun mehr erzählen, wie Journalismus entsteht.

Dieses neue Denken hat viele Anhänger unter den Verantwortlichen, ich aber meine, es ist schlicht hilfloser, vor allem aber großer Scheiß. Ich bin in meinem Schützengraben nach wie vor der Überzeugung, Medienschaffende müssen das Geheimnis ihrer Arbeit bewahren, um nicht weiter an Bedeutung einzubüßen. Aber wer bin ich, dass ich mich querstelle und mich diesem neuen Trend der Hilflosen entziehe?

Folglich will auch ich berichten, wie dieser Text entsteht: Ich sitze, weil keine offizielle Arbeitszeit ist, auf meinem Sitzsack im Wohnzimmer. Der Sitzsack ist übrigens gelb. Draußen sind Kinder sehr laut, die spielen. Ich bin vom Frühstück zu satt. Ich ziehe in meinem Kopf eine Begebenheit von gestern hervor, die ich trotz sofortig gefertigter Notizen aus der Erinnerung heraus wiedergebe: Ich habe gestern das Geheimnis der Zeitschrift Walden verstanden.

Walden, das Männerheft für draußen, ist das, was Tina für Frauen ist. Ein Haushaltsmagazin. Nur eben für vor der Tür. Das begriff ich durch folgende Beobachtung: Ein Mann mit Bart, Ende dreißig etwa, im Karohemd, ein Vorzeige-Waldner also, stand mit einer Flasche Clubmate an seinem matt lackierten, navy-grauen Mini Cooper. Er befeuchtete immer wieder ein Tuch mit Club Mate und schrubbte an damit an seinem Auto rum.

Zwischendurch trank er aus der Flasche. Auf Nachfrage bestätigte er, dass er Vogelscheiße vom Auto entferne. Und da frage ich mich doch, wie kommt ein Kerl aus dem Bilderbuch auf die tolle Idee, zur Entfernung von Vogelscheiße von seiner obergeilen Karre so was Cooles wie Club Mate zu verwenden, mittels derer er auch noch der Erschöpfung vom Schrubben beikommt? „Mit Club Mate gegen Vogelscheiße“ kann ja nur in einem Heft für den modernen Outdoorhelden, also in Walden, stehen. Toll!

Hanseatische Schrottbude

Aber ich nehme an, Vor-der-Tür-Haushaltstipps für Männer aus dem Hause Gruner & Jahr sind erst der Anfang. Jetzt, wo man mit Barbara – wie der Name schon sagt – ein neues, zeitgemäßes Magazin für Frauen auf den Markt bringt, für das man sich an der TV-Moderatorin Barbara Schöneberger orientieren will, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch in der Herrenabteilung Moderationsgrößen Vorbild sind. Mit Heften wie Frank und Günther werden sicher bald weitere hippe Magazine erscheinen. Und Johannes natürlich, das Nasenmagazin.

Damit der Bauer-Verlag wenigstens beim Verkauf von Quatsch mit Soße die Nase vorn hat, hat er im Jahr 2010 Aufkleber auf Tina & Co anbringen lassen, die vorgaben, dieses Heft sei ein „Bestseller“. Irgendwie muss das nicht gereicht haben, denn nun verspricht der Verlag dem Kioskbesitzer 1.000 Euro, der die Druckerzeugnisse aus der hanseatischen Schrottbude am allertollsten im Regal platziert. Hinlegen, fotografieren, einsenden.

Ich muss noch darauf hinweisen, dass dieser Text ohne den Einfluss von Alkohol oder Drogen zustande gekommen ist, lediglich unter der Zuhilfenahme sachdienlicher Hinweise von Kollegen und eigenen Recherchen.

Der Umstand, dass ich traurig bin, dass Gruner & Jahr das neue Heft nicht Silke nennt, hat keinen Einfluss auf meine Berichterstattung über die Bruchbude vom Baumwall. Echt nicht. Und damit zurück nach Berlin!

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Silke Burmester ist mittwochs auf der taz-Medienseite als „Kriegsreporterin“ im Einsatz. Bei Spiegel Wissen trägt Ihre Kolumne den schönen Titel „Frau Burmester hat einen Termin“. Ihre Themen sind Gesellschaftspolitik, Medien und Kultur. Außer für ihre Liebe, die alte Tante taz, schreibt sie u.a. fürs Manager Magazin, Brigitte Woman und Reisemagazine. Sie gibt Schreibseminare und ja, sie macht auch PR. Bei Kiepenheuer und Witsch ist ihr Pamphlet gegen die Hysterie der Medien „Beruhigt Euch“ ebenso erschienen, wie „Das geheime Tagebuch der Carla Bruni“. Silke Burmester ist Mitglied bei ProQuote und bei Freischreiber.

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