Kolumne Die Kriegsreporterin: Um die Linden mit dem Partyfahrrad
Election Night, die Verlegerfamilie Jahr, ein Fernsehsender für Männer, der NDR und die DJV.
H allo taz-Medienredaktion, wenn Du diese Zeilen auf Deiner Seite siehst, werde ich wohl ermattet auf dem Feldbett schlummern, schließlich war ich im nächtlichen Kampfeinsatz. Nicht wissend, wie ich zu der Ehre komme, aber sie mit Freude annehmend, habe ich eine Einladung erhalten, die dufte Sause von ZDF, Telekom, Tagesspiegel, der Amerikanischen Botschaft und noch man anderem lustigen Gesell zur „U.S. Election Night 2012“ zu joinen. Ohne zu wissen, was man zu solch einer Veranstaltung anzieht, habe ich begeistert zugesagt, denn ein Helm ist ja schon mal was.
Auch der Einladung von RTL bin ich gern nachgekommen. Und bin dann in eben gestriger Nacht zwischen den beiden Eventspots in Berlins Wichtig-Viertel rund um die Linden mit meinem Partyfahrrad hin und her gedüst, um via Twitter und dem taz-Live-Ticker davon zu berichten, wie es ist, wenn Fernsehsender aus einer Wahl einen „Event“ machen. Da ich diesen Text abgeben musste, als Obama noch in seiner ersten Amtszeit war, eventuell auch in seiner einzigen, kann ich jetzt nichts weiter berichten und muss zu anderen langweiligen Themen überleiten.
Zum Beispiel, dass die „Verlegerfamilie Jahr“ beim Online-Reifenhändler Tirendo einsteigt, wie bei deutsche-startups.de zu lesen war. Die „Verlegerfamilie Jahr“ ist die, die ihre Anteile an Gruner & Jahr nicht an Bertelsmann verkaufen wollte, was mit Sicherheit sehr löblich ist. Und, meine Güte, wenn sie keine Idee haben, wie sie mit ihrem Geld die auf Grund gelaufenen Museumsdampfer Stern und Brigitte wieder flott kriegen oder wie sie mit der Kohle mal was Neues, Innovatives, Überraschendes, Anderes, Interessantes, Relevantes vom Stapel lassen, ja, mein Gott!, dann sollen sie doch online Reifen verkaufen!
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Doch keine Tiersendung
„Sommer oder Winter? H oder T?“ Interessanter ist schon, dass Bertelsmanns RTL in Indien einen Fernsehsender für Männer starten will. In einem bunten Programm wird dort vermittelt, wie Papadam und ein einfaches Curry zubereitet werden und wie man Wäsche aufhängt. In Sportsendungen werden Sandsäcke vorgestellt, die man statt einer Frau wählen kann, wenn man was zum Verdreschen braucht, in der Reihe „Tradition heute“ wird an die alte Kunst der Schlangenbeschwörung erinnert, wenn ein Mann das Bedürfnis hat, jemanden nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Dass allerdings auch „Alarm für Cobra 11“ ins Programm kommt, ist auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen, in dessen Folge die indischen Verantwortlichen annahmen, hier handle es sich um eine Tiersendung.
Mehr Inder wünschen sich auch die Kritiker des „Tags der Norddeutschen“, den der NDR am 10. November bestreitet. Dann nämlich wird beim „Medienereignis des Jahres“ (NDR) rauf und runter gesendet, was den Norden auszeichnet. Beziehungsweise welche Menschen. Und die, so das Institut für Migration und Rassismusforschung, sind beim NDR europäisch-weiß.
Der Sender, so der Vorwurf, habe es schlicht versäumt, den Blick auf die Zugewanderten zu richten, die in Norddeutschland leben. Die Initiative hat eine Unterschriftenpetition auf ihrer Homepage eingerichtet. Womöglich ist der Ärger bereits zum NDR vorgedrungen, denn über Nacht haben sich die Protagonisten vermehrt. Waren es am Montag noch 118 Personen, die man stolz vorzustellen gedachte, sind es am Dienstagmorgen 121. Wahrscheinlich spricht Ingo Zamperoni jetzt das Wetter.
Auch gern mehr Leute in Form von Mitgliedern hätte der Deutsche Journalistenverband. Aber, was lernt man schon als Kind? Man kann nicht alles haben! In diesem Sinne aus dem Vormüdezustand zurück nach Berlin!
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