Kolumne Barbaren in Beijing: "Fenkjuforjurcoperäschn"

Sind die netten jungen Leute, die am Eingang die Rucksäcke durchwühlen, wirklich Handlanger des kommunistischen Regimes?

Die haben Waffen unter ihren Hemden, sagt einer. Ich nicke betroffen. Und Spitzel sind das auch, fügt er hinzu. Das habe ich auch schon irgendwo gelesen und kann es immer noch nicht fassen. Die jungen Leute, die immer so nett "fenkjuforjurcoperäschn" sagen, wenn sie am Eingang zum Olympiagelände meinen Rucksack durchwühlt haben, sie sollen Handlanger des Regimes sein, unter dem alle akkreditierten Journalisten im Medienzentrum so schrecklich leiden müssen? Sind die nett anzusehenden blauen Hemden der Helferarmee Uniformen einer Spezialeinheit? Machen mir diese lächelnden Wesen den Garaus, wenn ich ein falsches Wort sage? Ich bin verunsichert.

Gehört das blaue Helferhemdchen wirklich zu den offiziellen Uniformen, die ich hier in Peking gesehen habe? Sind die ohrenschmalzfarbenen Hemden, die alle Taxifahrer tragen, auch ein Zeichen dafür, dass die tollkühnen Großstadtpiloten Handlanger der hiesigen Machthaber sind? Ich mag es nicht glauben. Am Taxistand vor dem Pressezentrum fuchtelt ein Mann in froschgrüner Uniform herum und zeigt den Fahrern an, wo sie anhalten müssen. Er sieht aus wie ein Soldat, gestikuliert wie ein unbegabter Verkehrspolizist und ist wahrscheinlich ein Mitarbeiter des Bodenpersonals bei der Pekinger Taxiflotte.

Uniformen. Immer wieder Uniformen. Vor der Einfahrt zu dem Haus, in dem wir wohnen, sitzt immer eine junge Frau in blauer Uniform. Im gleichen Blau sind auch die Verkehrspolizisten in Peking gekleidet. Ich frage mich: Gehört die Frau zum Sicherheitsapparat oder ist sie einfach nur eine Parkwächterin? Ich weiß es nicht. Im Hof selbst steht immer ein junger Mann im gleichen Outfit wie die Frau an der Einfahrt. Er ist noch fast ein Kind. Als es am Donnerstag so stark geregnet hat, ist er mit seinen Gummistiefeln in einer Pfütze herumgesprungen. Muss ich vor dem wirklich Angst haben?

Die Olympiabauten werden von einem Sicherheitsdienst bewacht. Dessen olivfarben uniformierte Mitarbeiter sind auffällig klein, schmächtig und jung. Als ich bei einem Empfang des Olympiastützpunktes Berlin in Peking war, wurde die Tür von Typen bewacht, neben denen unser neuer Gewichtheberheros wie ein Hänfling wirken würde. Nein, angsteinflößend sehen die Olympiawachmänner wirklich nicht aus. Wenn zwei von ihnen zusammen unterwegs sind, dann gehen sie im Gleichschritt. Ist der Sicherheitsdienst auch so etwas wie eine Miliz? Soll mir ihr Sicherheitsballett Angst einflößen?

Doch, das ist ganz schlimm, sagt der Kollege jetzt wieder. Schau dich doch um! Ich schaue auf eine junge Frau im blauen Helferdress. Sie greift mit der Hand in ihre Hosentasche. Mist, denke ich mir. Und: Jetzt aber schnell! "Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein", fragt mich die junge Frau kurz darauf und hilft mir auf. Meine Kollegen starren mich an. Ich war der Einzige, der sich flach auf den Boden gelegt hatte.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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