Kolumne B-Note

Unter dem Stammtisch

Kinder lassen sich von Widrigkeiten die Stimmung nicht vermiesen: Wie Nadine Angerer nun Manuel Neuer verdrängt.

Nadine Angerer

Bei Kindern beliebt: Nadine Angerer im Nahkampf. Foto: dpa

Erzähl das lieber nicht den Kindern, sagte meine Frau morgens nach dem nächtlichen 10:0 der deutschen Mannschaft im ersten WM-Spiel. Sonst würde sich die Begeisterung der Kinder für Fußball im Allgemeinen und für Deutschland im Besonderen womöglich ins Unermessliche erhöhen, meinte sie besorgt. Aber, denke ich: Wäre das so schlimm?

Gut, bevor die Schwarz-Rot-Gold-Liebe ins Pegidahafte kippt, müsste ich einschreiten. Aber im Moment gibt es andere Gefahren: Die WM der Frauen wird unter den Fußballstammtisch gekehrt (kein Kicker-Sonderheft!) und in ihrer Tragweite unterschätzt. Auch von mir. „Kaufen wir jetzt wieder ein Panini-Album?“, wollte meine Tochter (5) jetzt wissen.

„Äh. Hmm“, murmelte ich, dachte an die Kosten und stammelte: „Ich weiß gar nicht, ob es diesmal eins gibt.“ – „Weil die Frauen nicht so bekannt sind? Weil die nicht so wichtig sind?“, fragte meine kleine Mitbewohnerin. Was soll man darauf sagen: „Ja, so was gibt es nur bei den Männern“?

Natürlich klapperten wir einen Kiosk nach dem anderen ab, bis wir endlich irgendwo fündig wurden. Kein Vergleich zur Männer-WM 2014, wo einem die Paninis überall nachgeschmissen wurden. Bei manchen Bildern von kurzhaarigen Spielerinnen kommen peinliche Fragen auf, die an den unsäglichen Fifa-Geschlechtstest erinnern: „Ist das ein Mann, darf der da mitspielen?“

Wer sich in Sachen Frauenfußball und Fifa nicht hinters Licht führen lassen will, sollte vom 6. Juni bis zum 5. Juli 2015 unbedingt die taz lesen. Wir berichten täglich auf ein bis zwei Seiten nicht nur übers Geschehen auf dem Platz, sondern auch über Hintergründiges, Politisches, Schrilles und Schräges.

Gerade wegen des aktuellen Fifa-Skandals wollen wir genau auf diese WM schauen. Vor Ort macht das taz-Redakteurin Doris Akrap, in Berlin kümmern sich Johannes Kopp (Sportredakteur), Martin Krauss (Pauschalist), Ronny Müller (Volontär), Richard Noebel (Layout), Sebastian Raviol (Praktikant), Andreas Rüttenauer (Chefredakteur) und Markus Völker (Sportredakteur) um die Fußball-WM.

Viel größer ist allerdings das Problem der späten Anstoßzeiten. Kita-Kinder bis nach Mitternacht fernsehen zu lassen geht dann doch zu weit. Sie kriegen also nur häppchenweise Aufzeichnungen zu sehen. Trotzdem funktioniert das Umschalten perfekt: Mein Sohn (4) malt statt endloser Manuel-Neuer-Bilder jetzt „die deutsche Torwärterin“ – und bekam dafür sogar schon von Nadine Angerer herself ein „like“ (ja, die deutschen WM-Frauen beantworten ihre Fanpost noch persönlich).

Aber das sollte ich meinem Sohn lieber nicht erzählen. Sonst wird er noch so unermesslich stolz wie sein Papa.

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seit 1999 bei der taz, zunächst im Inland und im Parlamentsbüro. Besondere Interessen: Fußball und andere tragikomische Aspekte des Weltgeschehens

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