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Kokos, Kirche und Konzerne

■ betr.: "Bekehrung mit Gewinn", taz vom 20.7.93

betr.: „Bekehrung mit Gewinn“, taz vom 20.7.93

[...] Entscheidender als Bartelts Anfrage, ob sich gerechter Welthandel und unternehmerische Profitmaximierung vereinbaren lassen, ist bei diesem Thema die Tatsache, daß der organisierte philippinische Kleinbauernsektor nicht in der Lage ist, kurz- wie längerfristig den Bedarf an Kokosöl oder Kopra zu decken, den Henkel und eventuell auch Procter & Gamble und Unilever zur Produktion benötigen. Die bisher auf Subsistenzniveau arbeitenden philippinischen Kooperativen würden durch eine derartige Kapazitätsausdehnung völlig überfordert. Die genossenschaftliche Idee würde den Economies of Scale geopfert. Das nenne ich westliche Profit- und Politlogik, von der sich anscheinend auch die rührigen Henkel-Bekehrer nicht lossagen können.

Henkels Chemietüftler beweisen es täglich: Rohstoffe wie Kokos sind sehr einfach zu substituieren. Die Besitzverteilung im philippinischen Kokossektor ist stramm oligarchisch strukturiert, Kleinbauern sind mit hohen Abgaben belegt. Die gewinnträchtige Verarbeitung des Rohstoffs geschieht des weiteren in der Chemieindustrie der reichen Länder. Aus all dem folgt: Allzu hohe Erwartungen an das Exportprodukt Kokos hätte für die philippinischen Kleinbauern fatale Folgen.

Insgesamt schlechte Voraussetzungen für das Produkt Kokos als Modell für entwicklungspolitische Alternativen. Dabei wissen philippinische Bauerngruppen sehr wohl, an welcher Stelle sie politisch ansetzen müssen, um ihre Situation zu verbessern. 1. Das Land denen, die es bewirtschaften, das heißt umfassende Agrarreform, 2. Umwidmung der Abgaben zum staatlichen Kokosfonds in ein demokratisch kontrolliertes Zuschußsystem, 3. Stopp des Kokoseinschlags, 4. umfassende Beteiligung der Bauernorganisationen an Kokos-relevanten Entscheidungsstrukturen, 5. Appell an die unternehmerische Verantwortung für Forschung, Entwicklung und Überlebensfähigkeit des Kokossektors.

Vielleicht konzentriert sich die deutsche Solidaritätsbewegung doch besser auf die Unterstützung dieser Forderungen der philippinischen Kleinbauern, als mit der „Bekehrung“ der Multis zu liebäugeln. Jochen Mehlich, Köln

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