Kohlekraftwerk: Reingewaschener Klimakiller

Der Bund für Umwelt und Naturschutz befürchtet, dass Vattenfall hinter verschlossenen Türen weiter ein Steinkohlekraftwerk plant - und fordert eine öffentliche Debatte über die Energieversorgung.

Dreckschleudern gibt es schon genug: Vattenfall-Kraftwerk "Schwarze Pumpe", 150 km östlich von Berlin Bild: REUTERS

Der Bund für Umwelt und Naturschutz fordert vom Energiekonzern Vattenfall mehr Transparenz bei dessen Kraftwerksplanungen. "Vattenfall darf nicht länger allein hinter verschlossenen Türen die Energiezukunft der Stadt verplanen", meint BUND-Landesgeschäftsführer Andreas Jarfe. Es müsse eine "breite öffentliche Debatte darüber geben, wie das derzeitige Kraftwerk an der Rummelsburger Bucht ersetzt werden soll".

Vor knapp drei Jahren waren erstmals die Pläne von Vattenfall für ein Steinkohlekraftwerk in Klingenberg mit einer Leistung von 800 Megawatt Strom und 650 Megawatt Fernwärme bekannt geworden. Das Unternehmen geriet in die breite Kritik - nicht nur von Umweltverbänden und den Grünen, auch vom Bezirk Lichtenberg, von Linken, CDU und FDP. Die Anwohner in Lichtenberg wehren sich gegen den riesigen Kühlturm, den ein so großes Kraftwerk mit sich bringt und der zum neuen Wahrzeichen des Bezirks werden würde. Auch Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) lehnt ein Kohlekraftwerk in dieser Größe ab. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) weicht dem Thema bislang aus und lässt eher Sympathien für Steinkohle erkennen: Die Stadt müsse sich "alle Optionen offenhalten".

Vattenfall überarbeitet derzeit seine Pläne und will das Ergebnis in den kommenden Wochen vorstellen. Der BUND befürchtet, dass der Konzern weiterhin über einem Steinkohlekraftwerk brütet, allerdings mit einer reduzierten Stromleistung von 400 Megawatt, dafür aber 1.000 Megawatt Fernwärme. "Um das Projekt grün anzustreichen, wird Vattenfall sicherlich noch eine Reihe von flankierenden Ökoprojekten vorstellen", prognostiziert Jarfe. Etwa die CCS-Technologie, die das von Kraftwerken produzierte Kohlendioxid abscheiden und unterirdisch lagern soll - die Technik ist aber über das Erprobungsstadium derzeit noch nicht hinaus. Außerdem könnte Vattenfall intelligente Stromzähler versprechen, die im Haushalt den Verbrauch genauer anzeigen und so beim Energiesparen helfen; oder den Ausbau des Fernwärmenetzes; oder zusätzliche Biomassekraftwerke; oder ein paar Millionen Euro für Umweltprojekte.

"Im Vergleich zu den Kosten für das Kraftwerk wird aber nur ein Bruchteil des Geldes in solche Ökoinvestitionen gehen", meint Ulf Sieberg, Referent für Klimapolitik beim BUND. Sein Verband lehnt neue Kohlekraftwerke grundsätzlich ab, weil damit die CO2-Emissionen weiter ansteigen, die Luftverschmutzung zunimmt und der Umstieg auf klimafreundlichere Kraftwerke behindert wird. "Beim Bau eines Kraftwerks geht es um eine Investition für Jahrzehnte", so Sieberg.

Zusammen mit der Klima-Allianz und anderen Verbänden hat der BUND inzwischen ein Gutachten in Auftrag gegeben, das im Detail darstellen soll, wie das derzeitige Kraftwerk in der Rummelsburger Bucht möglichst umweltfreundlich ersetzt werden kann. Die Position des BUND ist dabei klar: Es soll ein Mix aus erneuerbaren Energien werden - und wenn es schon fossile Energien sein müssen, dann zumindest das etwas weniger klimaschädlichere Gas statt Kohle.

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