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Köder sollen ins Krupp-Bett locken

■ Die Hoesch-Vertrauensleute beharren weiter auf Unabhängigkeitskurs/ Pfiffe für Minister Clement

Dortmund (taz) — Protestschreie, Buhrufe und Pfiffe schlucken die Worte des Redners. „Bitte Kolleginnen und Kollegen, laßt den Minister ausreden.“ Mit diesen Worten springt der Versammlungsleiter dem Mann am Stehpult bei. Und der bedarf der Hilfe, denn das, was Wolfgang Clement, Minister der Düsseldorfer Staatskanzlei, soeben über den Krupp-Chef Gerhard Cromme zum besten gegeben hat, empört die weit über tausend gewerkschaftlichen Vertrauensleute der Hoesch AG. Dabei hatte Clement nur die Aussagen des Krupp-Chefs aus einem 'Spiegel‘-Interview zitiert, wonach auch bei einer Fusion von Hoesch und Krupp der Stahlstandort Dortmund erhalten bleiben soll. Diesem Cromme-Wort auch nur irgendeine Bedeutung zuzumessen, ist für die Betriebsräte im Saal „blauäugig“, ja eine „Verarschung“. Was die Hoeschianer an diesem Tag von Clement hören wollen, den unbedingten Einsatz der Landesregierung für einen selbständigen Kurs von Hoesch, sagt der „Genosse Minister“ nicht, und deshalb rührt sich am Ende seines Referats auch kaum eine Hand. Die eisige Ablehnungsfront weicht erst am Schluß der Veranstaltung, als Clement sich noch einmal zu Wort meldet. Dazu beigetragen hat gewiß Theo Steegmann, zweiter Betriebsratsvorsitzender von Krupp- Rheinhausen und maßgeblicher Kopf des Arbeitskampfes. Steegmann macht in seinem Beitrag klar, daß er die Fusion, zumindest im Stahlbereich, für „sinnvoll“ hält. Er wirbt „für ein gemeinsames Vorgehen“ beider Belegschaften, um das Optimale für die Arbeitnehmer herauszuholen. Die Meinung der Hoeschianer zu ändern, vermag auch er nicht. Werner Naß, Betriebsratsvorsitzender der Hoesch-Stahl AG machte es ganz klar: „Wir kämpfen weiter für den Alleingang von Hoesch.“ Die von Theo Steegmann geschilderten Vorteile des Zusammengehens im Stahlbereich könne man durch Kooperationen statt Fusion sicherstellen. Eine Position, die der Hoesch-Vorstand offenbar auch weiter vertritt. Hoesch-Arbeitsdirektor Alfred Heese: Die Einschätzung des Vorstandes zur Fusion laute nach wie vor „eher nein“. Auch die Landesregierung würde nach Clement einer Kooperation der Fusion vorziehen, doch es seien „kaum Zweifel möglich“, daß Krupp auch ohne das Aktienpaket der westdeutschen Landesbank eine Aktienmehrheit bei Hoesch habe. Clement wörtlich: „Es macht keinen Sinn, die Augen zu verschließen.“ Die Landesregierung werde das Konzept unterstützen, was ein Höchstmaß an Arbeitsplätzen garantiere. Dabei komme der Sicherung der Montanmitbestimmung auch im fusionierten Unternehmen eine „Schlüsselrolle“ zu. Ein „Köder“, so Werner Naß, der die Hoeschianer aber nicht verleiten werde, ins Krupp-Bett zu steigen. Walter Jakobs

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