piwik no script img

Kodex gegen sexuelle Gewalt

EG-Kommissarin will Frauen am Arbeitsplatz schützen  ■ Aus Brüssel Michael Bullard

Mit einem Kodex gegen sexuelle Belästigung will die Europäische Gemeinschaft Frauen am Arbeitsplatz schützen. Sexuelle Belästigung einschließlich von Pin-up-Fotos an Büro- und Fabrikwänden könnten EG-weit abgeschafft werden — zumindest wenn es nach dem Willen der EG-Kommissarin Papandreou geht. Sie will heute ihre KollegInnen — eine Frau und 15 Männer — davon überzeugen, einen entsprechenden Verhaltenskodex zu beschließen. „Für Millionen von Frauen in der EG ist die sexuelle Belästigung ein unerfreulicher und unvermeidbarer Teil ihrer täglichen Arbeit.“

Der Kodex zum „Schutz der Würde von Frauen und Männern am Arbeitsplatz“, so die Sozialkommissarin, könnte es Frauen erleichtern, gegen unerwünschte Belästigungen und Beleidigungen anzugehen.

Zwar hat der Kodex keine Gesetzeskraft, er muß auch erst noch vom EG-Ministerrat abgesegnet werden. Dennoch mobilisiert die Internationale der Regenbogenpresse — darunter die deutsche „Bild“ und die britische „Sun“ — bereits gegen Papandreou. Unterstützung erhält der neugegründete Europäische Verlegerrat bei seiner Kampagne von Model-Agenturen, Fotografen-Verbänden, vor allem aber von der Werbebranche.

Der Kodex besteht aus einer Reihe von Empfehlungen an die Mitgliedsstaaten, aber auch an Arbeitgeber, Gewerkschaften und Angestellte, wie sie auf das Problem der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz aufmerksam machen und was sie dagegen tun können. Papandreou will damit den Schutz vor jeder Art von sexueller Belästigung verbessern, dazu gehören Vergewaltigungen ebenso wie Grabschen, gegen non-verbale Belästigungen (Pin-up-Bilder, Pfeiffen) sowie Einschüchterung und sexuelle Erpressung. Der Kodex bezieht sich auf Männer und Frauen. Letztere sind jedoch meistens die Opfer, so die Kommissarin, „weil sexuelle Belästigung sowohl etwas mit Macht als auch mit der Geschlechterrolle zu tun hat“.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen