: Knüppel gegen Lesben und Schwule
■ Pariser Polizei zerschlägt Demonstration vor der mexikanischen Botschaft/ Protest gegen Morde in Mexiko
Paris (taz) — Bei einer friedlichen Demonstration sind Lesben und Schwule am Donnerstag in Paris von Bereitschaftspolizisten eingekesselt und zusammengeknüppelt worden. Fünf Frauen und vier Männer wurden verletzt. „Es ist erschreckend, daß sich die französische Polizei sogar am 50. Jahrestag der großen Judenverfolgung in Paris faschistisch und diskriminierend verhält“, sagte Ira Kormannshaus, die selbst von Polizisten gerempelt und provoziert worden ist.
Die TeilnehmerInnen der Konferenz der Internationalen Lesben- und Schwulenorganisation (ILGA) in Paris hatten zunächst für eine Umbenennung der Rue Alexis Carrel im vornehmen 7. Arrondissement demonstriert. Der Mediziner und Nobelpreisträger Carrel (1873-1944) habe in seinen Schriften die Ausrottung aller von der Norm abweichenden Menschen propagiert und sei somit Wegbereiter einer Rassenpolitik gewesen, die zur Ermordung „unwerten“ Lebens geführt hat, begründete die ILGA die Aktion. Symbolisch tauften die Demonstranten die Straße „Rosa Winkel“, nach der Markierung, mit der die Nazis die in KZs eingesperrten Lesben und Schwulen gekennzeichnet hatten. Schon bei dieser angekündigten Aktion stießen sie auf ein großes Aufgebot der berüchtigten CRS-Bereitschaftspolizei.
Anschließend zogen die Homosexuellen zur mexikanischen Botschaft, um gegen die Ermordung von fünf Schwulen in Mexiko-Stadt zu protestieren. Die ILGA war aus Mexiko informiert worden, daß vor wenigen Tagen fünf Männer offenbar gefesselt und erwürgt oder erstickt worden sind, darunter der Gründer des mexikanischen Aids-Bekämpfungsprogramms, der Arzt Francisco Estrada. Sie beklagte zudem, daß die mexikanische Polizei Schwule in ihren Ermittlungen häufig als pervers darstelle. Der mexikanische Botschafter versprach einer Delegation der ILGA, er werde der Sache nachgehen. Unterdessen ging die Polizei vor der Botschaft gewaltsam gegen die gut hundert Demonstranten vor, berichteten Teilnehmer der Aktion. Bettina Kaps
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