: Kniefall
■ betr.: Scharping-Poster, taz vom 15.8.94 und Reaktionen
Nun, ich habe mit gemischten Gefühlen die „Schikane“ der Wahlplakat-Satire und das darauffolgende Sich-Ereifern bei den LeserInnenbriefen verfolgt. Eines gilt (auch) für mich: Willy Brandt symbolisierte zu damaliger Zeit die Verbündung von Ehrlichkeit und Verantwortung in seiner Person und ist wohl bis heute darin der Einzige seines Metiers geblieben. Trotzdem und/oder deshalb war er ein souveräner Staatsmann – bis zur letzten Konsequenz, ohne Flexibilität auszugrenzen. Gerade Scharping in eine solche Szene zu setzen ist grotesk, ja dreist – die Satire ist vollendet. [...] Horst Thierjung, Memmingen
Wer oder was wurde eigentlich verunglimpft? Willi Brandts Kniefall zählt zweifelsfrei zu den bekanntesten und bewegendendsten politischen Symbolhandlungen. Sie in einer Satire zu zitieren, ist nicht von vorneherein blasphemisch. Die taz-Anzeige travestiert nicht Brandts Kniefall; vielmehr spottet sie über die Versuche eines farblosen Spitzenpolitikers, mittels Imagepflege, jene Ausstrahlung vorzuspiegeln, die er im Gegensatz zu seinem politischen Opa nicht besitzt.
Ich sehe keine Argument für die Empörung der LeserInnen, da die Anzeige die historische Situation überhaupt nicht thematisiert, sondern lediglilch ihre mediale Nutzung anspricht. Christoph Danelzik,
Saarbrücken
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