: Klischee Berlin
■ Wieder ein Berlin-Video
Ost-Berlin. In Berlins ältester Kneipe „Zur letzten Instanz“ sollte gestern „ein farbenprächtiger und temperamentvoller Videofilm über beide Teile einer Weltstadt“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ihr Zielpublikum sahen die Vertreter der beiden Video-GmbHs Video Sound Service Ost und California-Video West - in „allen Berlinern und den Tausenden von Touristen, die diese schöne Stadt täglich besuchen“. „Aber jetzt, meine Damen und Herren, möchte ich Sie nicht mehr aufhalten, genießen Sie.“ Was folgte, waren 36 Minuten Berlin von oben, Kudamm, Nikolaiviertel, Grunewald. Unterlegt durch eine Synthesizer -Elektronik-Version von Beethovens Freude schöner Götterfunken. Flott. Weiter mit Aufnahmen von Berlinern, die von Kommentaren „So sind die Berliner, frech und schnoddrig, freundlich und witzig, mißtrauisch und lieb“ begleitet wurden. Leichtverdaulich ging es weiter mit FKK und betenden Kirchentagspfarrern. Da Berlin außer Menschen an Bulettenbuden auch noch Geschichtsträchtiges birgt, wurden dem Video Aufnahmen von J.F. Kennedy bis zu Bücherverbrennungen und NS-Aufmärschen, beigemengt. Nichts Neues also, alles schon dagewesen.
Annette Weber
Das Video „Berlin-Berlin“ ist ab Montag auf dem Markt und für 49,90 DM erhältlich
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen