: „Kerosinbesteuerung ist sicher!“
■ Der Meteorologe Dieter Walch über Tourismus und Klima
taz: Alle reden von der Klimakatastrophe. Dabei werden Flugreisen immer billiger, immer mehr und immer weiter. Bleibt uns dieser Trend erhalten?
Dieter Walch: Der Ferntourismus und die Selbstverständlichkeit, mit der wir fliegen, ist ein großes Problem. Der Trend kann nicht so weitergehen, weil Flugzeuge mit schuld am Treibhauseffekt sind. Die Selbstverständlichkeit des Luxus, den wir hier wahrnehmen, die muß verstandesmäßig angegangen werden.
Muß Fliegen teurer werden?
Das wird zwangsläufig über die politische Schiene kommen, daß das Flugbenzin genauso verteuert wird wie normales Benzin. Und das ist einfach notwendig, um die Menschheit zur Vernunft zu bringen. Mit Sicherheit wird die Kerosinsteuer schon in diesem Jahr, spätestens im nächsten Jahr kommen. Auch alle Transportwege insgesamt müssen verteuert werden. Es kann nicht sein, daß wir Kiwis für 25 Pfennig aus Neuseeland hier kaufen können. Da stimmt etwas an den Transportkosten nicht.
Wo nehmen Sie den Optimismus in bezug auf Besteuerung des Kerosins her?
Das ist für mich kein Optimismus, das ist einfach die Folge des demokratischen Systems. Wenn der Druck aus der Bevölkerung allmählich eine gewisse Härte überschreitet, dann reagieren auch Politiker. Und wenn die Kerosinsteuer nicht international eingeführt wird, dann wird es eben über die erhöhten Kosten der Landegebühr gehen.
Wo sehen Sie die Verantwortung der Reiseveranstalter?
Sie liegt meines Erachtens darin, daß sie eine sehr große Macht haben, die Ziele und Wünsche der Kunden zu beeinflussen. Hier muß einfach umgedacht werden: weg von der Menge, hin zur Qualität, und auch hin zur Qualität in der Umgebung der Kunden. Das heißt also mehr Nahreisen hier in Deutschland oder den Nachbarländern.
Wie wird die Klimakatastrophe den künftigen Tourismus beeinflussen?
Es wird insofern Konsequenzen für den Tourismus haben, daß es in der Dritten Welt mit Sicherheit noch größere soziale Spannungen und infolgedessen auch mehr Kriege geben wird, weil sich dort die Klimaveränderung gravierender auswirkt als hier in unserem wechselhaften Klima. Damit werden Reiseziele in die Dritte Welt unsicher, und die Kunden werden dort einfach nicht mehr hinfahren.
Werden wir dann eine Hochkonjunktur der überglasten, künstlichen Ferienlandschaften vor der Haustür erleben?
Ja, das wird mit Sicherheit kommen. Das Gespräch führte Edith Kresta
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