piwik no script img

unterm strich„Keine Projektionsflächen für vereinfachte Geschichtsbilder“

Seit die AfD Sachsen-Anhalt für den Fall eines Wahlsiegs bei den anstehenden Landtagswahlen eine „patriotische Wende in der Kulturpolitik“ angekündigt hat, schließen sich immer mehr Kulturinstitutionen des Bundeslandes einer öffentlichen Kritik an dem AfD-Programm an. Am 16. April 2026 hatten sich zunächst 27 Kultureinrichtungen in Sachsen-Anhalt mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt, darunter die Stiftung Bauhaus Dessau, mittlerweile sind es 67.

Insbesondere die künstlerische Moderne nimmt die AfD in ihrem kulturpolitischen Programm ins Visier. In der Logik der Rechten gilt das Bauhaus als Ausdruck von „Identitätslosigkeit“, moderne Kunst allgemein würde „eine stabile nationale Identitätsbildung“ verhindern.

Der Stellungnahme vom 16. April, die sich gegen eine ideologische Beeinflussung und Instrumentalisierung des Kunst- und Kulturbetriebs richtet, haben sich nun sächsisch-anhaltinische Einrichtungen aller kultureller Sparten angeschlossen, darunter Stiftungen, Theater, Museen, Orchester, Berufsverbände, Kulturzentren und – vereine.

Auch Provenienzforschung gefährdet

Auch das in Magdeburg ansässige Deutsche Zentrum Kulturgutverluste stellte sich hinter die Initiative: „Die im Regierungsprogramm […] formulierten Aussagen richten sich gegen die Arbeit des Zentrums, aber auch gegen die Provenienzforschung in Deutschland insgesamt – und treffen damit vor allem die Opfer von Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus, von Enteignungen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR sowie von Gewalt und Unrecht in kolonialen Kontexten.“

Und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen (AGDS) wendet sich in einem weiteren Schreiben „gegen Bestrebungen, Schlösser und Gärten einseitig im Sinne nationalistischer oder ausgrenzender Ideologien umzudeuten. Historische Orte sind keine Projektionsflächen für vereinfachte Geschichtsbilder, sondern Orte kritischer Reflektion.“