: Keine Ehe ohne Trauschein
■ Willen zur Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Eigenständigkeit Berlins
Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen hat vier Tage nach dem Scheitern der Länderehe mit Brandenburg die Eigenständigkeit der Bundeshauptstadt vor dem Abgeordnetenhaus hervorgehoben. Nach der mehrheitlichen Ablehnung der Fusion könne man keine „Ehe ohne Trauschein“ führen, indem man den Fusionsvertrag praktisch „durch die Hintertür“ umsetze.
Gleichzeitig bekräftigte Diepgen den Willen zur Zusammenarbeit mit Brandenburg. Berlin werde aber alles tun, um den Abfluß von Kauf- und Steuerkraft ins Umland zu verhindern. Die Stadt werde ihre Wirtschaftsförderung intensivieren und verstärkt günstige Gewerbe- und Industrieflächen anbieten. Durch niedrige Grundstückspreise solle der Mietwohnungs- und Eigenheimbau angekurbelt werden. Gleichzeitig sollten Bauordnung und Baurecht vereinfacht werden. Berlin werde seine Zusammenarbeit mit den Kreisen und Kommunen in Berlins Nachbarschaft intensivieren. Die bereits beschlossene Landesplanungskonferenz müsse bald ihre Arbeit aufnehmen, forderte der CDU-Politiker. Auch sollten die Länder einen gemeinsamen Koordinierungsrat bilden, der die wechselseitige Information und den Interessenausgleich sichern solle. Der Regierungschef regte zudem die Bildung gemeinsamer Institutionen im Bereich der Hochschul- und Krankenhausplanung, eine Zusammenarbeit im Strafvollzug, das Schaffen kompatibler Polizeistrukturen sowie eine Vereinheitlichung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Wirtschaftsentwicklung an. Auf absehbare Zeit werde es in der Region keinen neuen Versuch des „nach wie vor sinnvollen und notwendigen“ Zusammenschlusses geben. Eine Länderneugliederung bleibe aber nicht zur für Berlin und Brandenburg, sondern für die gesamte Bundesrepublik weiterhin notwendig und auf der Tagesordnung, betonte Diepgen. AP
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen