■ Mit Atomschmugglern auf du und du: Kaum Gefahren
Bonn (taz) – Als im letzten Jahr die Zahl von Schmuggelfällen mit waffenfähigen Spaltstoffen sprunghaft zunahm, war die öffentliche Aufregung groß – und überzogen, meint jedenfalls die Konrad-Adenauer-Stiftung. Nach einer Studie der CDU-nahen Organisation ist die Gefahr von „Nuklearterrorismus“ nämlich weitaus kleiner, als gemeinhin angenommen.
Es sei „so gut wie ausgeschlossen“, daß genügend nukleares Material für den Bau einer ganzen Bombe in Hände von Kriminellen gelange, sagte Gerd Langguth, geschäftsführender Vorsitzender der Stiftung, gestern in Bonn. „99 Prozent der Nuklear-Schmuggler wissen zudem gar nicht, was sie schmuggeln“, behauptet Karl- Heinz Kamp, der Autor der Untersuchung.
Aus Krankenhäusern und Labors würde einfach irgendwelches radioaktives Material wie Cäsium und Strontium gestohlen, das zum Bau von Waffen untauglich sei. Ganz generell bezweifelt die Studie, daß politisch motivierte Terroristen an Kernwaffen zur Massenvernichtung überhaupt interessiert sind. Daß es bislang noch keinen – jedenfalls öffentlich bekannten – Fall von nuklearer Erpressung gegeben hat, stütze diese Einschätzung. Gefährlich sei indes, so orakelt die Konrad-Adenauer-Stiftung, die illegale Verbreitung von kompletten nuklearen Waffen und Know-how aus der ehemaligen Sowjetunion.
Ist also „Nuklearterrorismus“ nur eine Fiktion, wie es so schön im Titel der Studie heißt? Die Untersuchung kommt zu einem eindeutigen Jein. Für den Fall von nuklearer Erpressung oder terroristischen Aktionen wäre jedenfalls die Bundesrepublik völlig unzureichend gerüstet, wird kritisiert. Daraus wird in der Studie dann schnell ein Argument für ein bißchen mehr Polizei und einen stärkeren Staat: Es fehle in Deutschland vor allem eine landesweit einsetzbare Spezialeinheit nach dem Vorbild des amerikanischen „Nuclear Emergency Search Team“ (NEST). Ein solches Team könnte im Krisenfall das Zusammenwirken von Landesbehörden, Bundesgrenzschutz und Streitkräften leiten, wird vorgeschlagen. In der Bundesrepublik ist die „nuklearspezifische Gefahrenabwehr“ bisher Sache der Bundesländer. Und diese seien finanziell und strukturell mit der Prävention von nuklearen Notfällen überfordert. Myriam Schönecker
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