■ Turnen: Kaputte Wirbelsäulen
Berlin (dpa) – Das Hochleistungstraining junger Turnerinnen bringt erhebliche Risiken für die Gesundheit mit sich. Eine vom Deutschen Turnerbund (DTB) in Auftrag gegebene Studie des Kölner Bundesinstituts für Sportwissenschaft registriert eine hohe prozentuale Beschwerdehäufigkeit im Bereich der Wirbelsäule wie auch Störungen in der Wachstumsdynamik der Turnerinnen. Der DTB, der in den Ergebnissen nichts erkennen kann, was die „Forderung nach Einstellung des Kunstturnens bei Mädchen und Frauen begründen könnte“, gerät nunmehr in Zugzwang, denn weitreichende Konsequenzen für das Training und internationale Anforderungen sind unaufschiebbar.
Grundlagen der Studie sind Untersuchungen ehemaliger Auswahl- Turnerinnen aus der DDR und der Bundesrepublik und auch orthopädische und radiologische Befunde von insgesamt 55 aktuellen Kaderathletinnen. „Die Studie hat gezeigt, daß Mädchen in der Wachstumsphase von 13 bis 15 Jahren die meisten Beschwerden hatten“, erklärte Verbandsarzt Heinz Lohrer. Röntgenuntersuchungen erwiesen ausgeprägte Wirbelsäulenbeschwerden bei 18 aktuellen Kaderturnerinnen. Die retrospektiven Untersuchungen an früheren DDR-Turnerinnen ergaben zu 72 Prozent chronische Wirbelsäulenschäden, rund 16 Prozent der befragten 25 Athletinnen gaben starke Beeinträchtigungen an. „Es gibt im Hochleistungssport Risiken, das ist nichts Untypisches. Gewisse Risiken werden auch im Frauenturnen bleiben. Doch wir müssen uns damit auseinandersetzen, um sie zu minimieren“, nahm DTB-Generalsekretär Hans-Peter Wullenweber zu den Zwischenergebnissen der Studie Stellung, die in der Welt bisher einmalig ist.
Neben den unabdingbaren Veränderungen im Trainingsaufbau werden zu den Konsequenzen auch die stärkere Einflußnahme auf das internationale Reglement und die Erarbeitung neuer Wertungsvorschriften gehören. „Ästhetisch-gestalterische Faktoren müssen künftig stärker bewertet werden, die Anforderungen vor allem auch im Juniorinnenbereich verändert werden“, sagte Hans-Jürgen Zacharias, der DTB-Vertreter in der Exekutive des Internationalen Turnverbandes.
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