piwik no script img

Kanada schämt sich seiner Elitetruppe

■ Somalis gefoltert, schwarze Soldaten erniedrigt: Nun erwägt die Regierung Auflösung einer berühmten Luftlandeeinheit

Berlin (taz) – Für Kanada ist es eine nationale Schande: Eine aus 600 Elitesoldaten bestehende Luftlandeeinheit, die zum Stolz des kanadischen Militärs gehört, wird vermutlich jetzt aufgelöst, da immer neue Einzelheiten über das rassistische Gebaren ihrer Mitglieder sowohl beim UNO-Einsatz in Somalia wie auch beim Training in Kanada ans Licht kommen. „Wenn wir es auflösen müssen, lösen wir es auf“, sagte Premierminister Jean Chretien. „Da habe ich überhaupt kein Problem.“

120 Mitglieder des Regiments, das seine Geschichte bis zu der D-Day-Landung in der Normandie 1944 zurückverfolgt, waren zwischen Dezember 1992 und Mai 1993 als UNO-Soldaten in Belet Huen in Somalia stationiert. Dort fielen sie unangenehm auf: Den Somali Ahmed Afrahio Arush, am Stacheldrahtzaun festgenommen, richteten sie auf dem Boden liegend hin. Der 29jährige Shidan Omar Aroni wurde als angeblicher „Eindringling“ verhaftet und zu Tode gefoltert. Ein an seiner Folter beteiligter junger Soldat versuchte sich aufzuhängen, woraufhin die Angelegenheit publik wurde; er und sieben andere Soldaten, darunter mit Oberst Carol Mathieu der Kommandant der Einheit, landeten vor dem Militärgericht. Gegen einen der Angeklagten wurden im vergangenen Herbst fünf Jahre Gefängnis verhängt.

Da im Prozeß ein weitverbreiterer Rassismus in der Kompanie ans Licht kam – so rotteten sich Mitglieder der betroffenen Einheit gerne unter der Flagge der sklavenhaltenden US-Südstaaten zusammen – war der Ruf der gesamten Einheit fortan irreparabel beschädigt. Und als vergangene Woche kanadische Privatsender bisher nicht öffentliche Videoaufnahmen aus dem Leben der Truppe ausstrahlten, war das Maß voll. Auf einem Band aus Somalia sagten kanadische Militärpolizisten, sie hätten aus dem Quartier der Elitejungs öfters Schreie gefolterter Somalis gehört. Auf einem anderen, aufgenommen auf der Heimatbasis der Einheit im kanadischen Petawawa, war ein schwarzer Rekrut zu sehen, der auf allen vieren an einer Hundeleine mit den aufgemalten Worten „Ich liebe den KKK“ (Ku-Klux-Klan) auf dem Rücken vor seinen Kameraden herumkroch.

Eigentlich sollten diese Soldaten ab April wieder als Blauhelme auf die Welt losgelassen werden – diesmal in Kroatien. „Diese Leute beschmutzen unser stolzes kanadisches militärisches Erbe“, sagte jetzt aber Verteidigungsminister David Collenette und wies Generalstabschef John de Chastelain an, ihm bis heute einen vollständigen Bericht vorzulegen. Dann wird über die Auflösung der Einheit entschieden. D.J.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen