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Kahlschlag für Tunnel

■ 800 Bäume sollen gerodet werden

Tiergarten. Jetzt bekanntgewordene Pläne des Gartenbauamtes, in Berlins „grüner Lunge“ bis zum Frühjahr insgesamt 827 Bäume abzuholzen, stoßen im Bezirk auf Widerstand. Auf der Sitzung der Bezirksverordneten am morgigen Donnerstag will die AL per Dringlichkeitsantrag einen vorläufigen Fällungsstopp durchsetzen. In einem Schreiben an den zuständigen Baustadtrat Porath forderte die AG „Rettet den Tiergarten“ ebenfalls den Stopp der angekündigten Rodungsarbeiten. Außerdem erhielt der Stadtrat einen von 500 BürgerInnen unterschriebenen Protest gegen weitere Fällungen im Großen Tiergarten.

Wie im letzten Jahr spricht das Gartenbauamt pauschal von Maßnahmen zur „Bestandspflege“. Indes wurden während des vergangenen Winterhalbjahres mit dieser Begründung nur etwa 250 Bäume in der Lennéschen Parkanlage geschlagen. So hat die AG „Rettet den Tiergarten“ nur eine Erklärung für den diesmal wesentlich vermehrten Fällumfang: Offenbar wolle das Gartenbauamt mit dem Baumkahlschlag prophylaktisch den Grundwasserproblemen begegnen, die sich im Tiergarten durch die geplanten Auto- und Eisenbahntunnel ergeben werden. AG-Sprecher Rainer Schicks: „Je weniger Bäume stehenbleiben, desto besser sind deren Wurzeln natürlich mit Grundwasser versorgt.“ Auf jeden Fall sei „verdächtig“, daß man just in den Tiergartenreservaten sehr viele Bäume zur Fällung vorgemerkt habe, die von den Tunnelprojekten tangiert sind. Laut Schicks betrifft das die Bereiche des Schlieffenufers an der Moltkebrücke und der Entlastungsstraße am Spreebogen sowie an der Straße des 17. Juni.

Unrettbar krank und deshalb zu fällen sind nach Einschätzung der Naturschutz-AG nur 43 der 827 Bäume, von denen nach der Zusammenstellung des Gartenbauamts immerhin 212 einen Stammumfang von mehr als 60 Zentimeter haben. Maßgeblich bei derartigen Kahlschlägen im Baumbestand ist ein Pflege- und Entwicklungskonzept der Umweltverwaltung für den Großen Tiergarten, das sich streng historisch an den Vorgaben des Gartenbauers Lenné orientiert. Auch im Bezirk wird das Konzept allerdings „kritisch betrachtet“, so Baustadtrat Porath. In sehr vielen Punkten ist der Baustadtrat, wie er sagte, mit den Denkmalschützern nicht einverstanden. Nunmehr sei aber in Auseinandersetzungen mit dem Hause Hassemer erreicht worden, daß die Eingriffe zur Herstellung von „Sichtachsen“ und Wegen reduziert wurden. thok

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