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Kaffeehauskunst

■ Im Weserufercafe „Ambiente“ stehen bis Ende April Skulpturen im Weg und reizen zum Anfassspiel

Sie betreten ein Cafe, gleiten die Stufen hinab zum Wintergarten, stehen im Raum, links die Theke, es umhüllt Sie das sanfte Gemurmel, das zum Plaudern anregt, oder zum Beobachten wenn Sie alleine sind. Wie blind schweben Sie durch den Raum, den Sie kennen vom letzten Mal, und wie sonst suchen Sie nach einem freien Platz an freiem Tisch. Doch plötzlich, was ist hier los, Sie stutzen, wären Sie doch eben um ein Haar über diesen Podest gefallen, auf dessen Gipfel sich ein Vogel räkelt, ein Rabe, metallern wie ein Wachmann. Eine Skulptur, künstlich, Kunst in Cafes, an sich kennen Sie so etwas, das lädt zur geflissentlichen Nichtbeachtung, hängt an Wänden herum, die sich nicht beschweren können und wechselt alle Monate, damit es nicht mit der Tapete verwechselt wird.

Im feinen „Ambiente“, Weserufercafe mit regelmäßiger Heimsuchung durch Fußballfans, im Wintergarten an einem Tisch sitzt Günna Erera, als Architekt arbeitslos und zum Skulpteur enthemmt, und beobachtet. Er schaut, wie sich die Plastiken ver

halten, die er hier ausgestellt hat, in diesem Raum, wie sie reagieren auf die Menschen, die stocken, sich wundern über das plötzliche Hindernis, sich daneben setzen ohne etwas zu sehen, ihre Schatten oder AC-Milano-Schals über die Konturen seiner abstrakten Figuren werfen. Er sieht, wie seine Skulpturen fremde Hände anziehen, sie reizen, berührt zu werden in einer Umgebung, die sonst zum Geschmack und nicht zum Anfassen verführt. Für Erera ist es spannend zu sehen, welche Beziehungen sich um seine Geschöpfe ranken, welchen Spielen sie assistieren, welche Geschicke mit einem Blick seiner Masken beginnen.

Für ihn ist es nicht „Kunst“, was er treibt, das Wort hat für ihn keine Bedeutung, es ist Spiel, kindliches, uferloses Spiel mit Formen, mit Materialien, Fundstücken und Techniken, Spiel mit Anfassen. Er selbst bleibt dabei Beobachter, unscheinbar und versteckt hinter seiner Tasse Milchkaffee, und weil ihm seine Figuren am allermeisten sagen, schmunzelt er von Zeit zu Zeit.

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