Jupp Heynckes und die Bayern: Der Stichelnde
Nicht so missgünstig wie Daum, nicht so pöbelnd wie Calmund: Wenn Jupp Heynckes gegen die Münchener Bayern stichelt, dann hat das Stil – ja es wirkt sogar ein wenig charmant.
Es ist kein Geheimnis, dass Jupp Heynckes zu den größten Sympathisanten des FC Bayern gehört. Der Leverkusener Fußballtrainer feierte einige seiner schönsten Erfolge mit dem Rekordmeister, er ist eng mit Uli Hoeneß, dem Münchner Präsidenten, befreundet, und so wirkt die Häme, die Heynckes derzeit gen Süden sendet, charmant. Die paar Stunden, die die Münchner nach ihrem Sieg über Hoffenheim an der Tabellenspitze standen, seien wertlos, so Heynckes nach Leverkusens 4:2 gegen Mainz. "Tabellenführer ist man, wenn man zwei oder drei Wochen oben steht, und ich weiß ja schon gar nicht mehr das Datum, wann die Bayern zum letzten mal richtig Erster waren", verkündete er lächelnd.
Der Anti-Bayern-Krawall von Extrainer Christoph Daum war immer geprägt von Neid und Missgunst, die Sticheleien von Exmanager Reiner Calmund litten unter dem Ruch der Pöbelei, Heynckes, der Grandseigneur, fährt stilvollere Angriffe aufs wachsende Selbstvertrauen der Bayern. "Bis auf Wolfsburg haben sie doch in der Vorrunde gegen keine Spitzenmannschaft gewonnen", hat er unter der Woche vergnügt festgestellt.
Heynckes weiß ganz genau, wie er Uli Hoeneß ärgern kann. Und am Samstag legte er nach: "Das Spiel am Freitag hat mich nicht vom Hocker gerissen, Bayern hat gegen eine dezimierte Hoffenheimer Mannschaft gewonnen."
Heynckes Team spielte zwar auch nicht perfekt, aber es erfüllte ihre wichtigste Aufgabe: Die Werkself hat die Hoffnungen der Konkurrenz auf den gewohnten Leverkusener Einbruch erst mal enttäuscht.
Und der glanzvollste Akteur des Tages war wieder einmal Toni Kroos, der unter Heynckes zum derzeit vielleicht besten Bundesligaspieler überhaupt reifte, was vielleicht die größte aller Provokationen ist.
Denn Kroos ist nur vom FC Bayern ausgeliehen, und nun droht ernsthaft Gefahr, dass Kroos und Heynckes, zwei Männer, die Uli Hoeneß nicht mehr wollte, den Münchnern den Titel klauen.
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