: „Je früher, je besser“
Sportfunktionäre zu Olympia in Berlin: Rudi Ebmeyer/DTSB (Ost) und Manfred von Richthofen/LSB (West) ■ I N T E R V I E W
dpa: Wie würden Sie zur Zeit die „Olympia-Reife“ der beiden Teile Berlins beschreiben?
Ebmeyer: Von der sportpolitischen Seite her ist das ein Traum jedes Funktionärs, von der materiellen Seite her sind wir am relativen Nullpunkt.
Von Richthofen: Auch im Westteil ist noch sehr, sehr viel zu tun, sehr wenig ist olympiareif vorhanden. Was wohl beide Seiten sich vorstellen ist - stadtplanerisch - eine sehr intensive Nachnutzung von Olympiabauten. Es muß genau geplant werden. Es macht keinen Sinn, ein weiteres großes Olympiastadion etwa in Ost-Berlin zu bauen, wenn eines im Westteil schon dasteht.
Wäre es für Berlin jetzt Anfang der 90er Jahre besonders wichtig, große internationale Veranstaltungen als „Olympia -Tests“ in die Stadt zu holen?
Ebmeyer: Die Frage stellt sich uns ganz logisch. Denkbar wären zum Beispiel Weltmeisterschaften gleichzeitig in beiden Teilen der Stadt. Doch bis auf das Dynamo-Sportforum haben wir an Sportstätten wenig von Olympia-Format.
Von Richthofen: Das Bemühen um die Volleyball -Weltmeisterschaft in Berlin ist ein solcher Schritt. Solche Veranstaltungen in ganz Berlin sind denkbar und durchführbar. Aber auch ich sage, daß wir zum Beispiel mit unserer Deutschlandhalle an unsere Grenzen stoßen. Eine Halle für mindestens 15.000 Zuschauer, das ist international der Maßstab und die Schallmauer, die wir durchbrechen müssen.
Welche Vorstellungen haben Sie von der Finanzierung Olympischer Spiele in ganz Berlin?
Ebmeyer: Solche Spiele würden zunächst sehr viel Geld kosten, das wir als DDR und Berlin nicht hätten. Doch ich gehe davon aus, daß die Frage über Formen der Vorfinanzierung lösbar sein würde.
Von Richthofen: Finanziell ist die Sache mit Sicherheit lösbar. Ich glaube auch, daß die Bundesregierung große Anstrengungen unternehmen würde in bezug auf die verstärkte Präsenz in Berlin. Außerdem gibt es eine Reihe von Interessenten, die schon jetzt an die Nachnutzung denken. Die Finanzierung sehe ich da nicht als größtes Problem.
Träumen Sie von Spielen schon im Jahr 2000?
Ebmeyer: Je früher, je besser. 2000, durchaus ein idealer Termin. Aber das hängt von vielen anderen Dingen ab. Wir selbst haben keine Gedankenarmut. Wir haben eine einmalige Chance durch die Geballtheit der Stadt.
Von Richthofen: Natürlich, das kann ich nur unterstützen. Wenn es, aus welchen Gründen auch immer, so schnell kommen sollte, wir müssen gewappnet sein.
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