: Jacques Santer, wer ist das?
■ Der Nachfolger von Jacques Delors als Chef der Europäischen Kommission gilt als blasse Figur
Brüssel (taz) – Die Luxemburger müssen sich einen neuen Premierminister suchen. Die 12 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union einigten sich gestern abend auf den luxemburgischen Premier Jacques Santer als Nachfolger von Jacques Delors an der Spitze der Europäischen Kommission in Brüssel. Wenn das Europäische Parlament, das seit dem Vertrag von Maastricht bei solch wichtigen Entscheidungen gefragt werden muß, zustimmt, dann wird Santer am 7. Januar 1995 das Chefbüro im Brüsseler Kommissionsgebäude beziehen.
Der 57jährige Santer gilt als zweite Wahl und Kompromißlösung, nachdem die Kandidatur des niederländischen Ministerpräsidenten Ruud Lubbers vor drei Wochen vor allem am Widerstand von Kohl gescheitert war und die des belgischen Premiers Jean-Luc Dehaene am Veto John Majors. Obwohl Santer fünf Jahre lang Vizepräsident des Europäischen Parlamentes und vier Jahre lang Präsident der Europäischen Volksparteien war – des Zusammenschlusses aller christdemokratischen Parteien in der EU – und obwohl er seit zehn Jahren als luxemburgischer Premier auf allen Gipfeln dabei ist, ist Santer ein international unbekannter Politiker geblieben. Über seine europapolitischen Vorstellungen gehen die Meinungen auseinander. In Maastricht setzte er sich dafür ein, den Binnenmarkt durch eine stärkere politische Integration abzustützen, und geriet dabei vor allem mit der britischen Premierministerin Thatcher aneinander. Major dagegen hält Santer für einen Verbündeten im Kampf gegen den europäischen Zentralismus. Alois Berger
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