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Ist das Boot voll?

■ Hilfsaktion für Flüchtlinge aus Jugoslawien

Berlin (taz) — Etwas über ein Jahr ist es her, daß in deutschen Städten überall weiße Bettlaken aus den Fenstern hingen. Hunderttausende trugen ihren Protest gegen den Golfkrieg auf die Straße. Heute findet der Krieg quasi vor der Haustür statt. Über eine halbe Million Menschen, vor allem Frauen und Kinder, haben in den letzten Monaten ihre Heimatorte in Bosnien-Herzegowina verlassen. Und was tut die Friedensbewegung heute? Schweigt sie, weil sie diesmal nicht die Amerikaner als Feind ausmachen kann, wie böse Zungen behaupten?

Nein, sie schweigt nicht, auch wenn ihre organisatorischen Kerne keine Menschenmassen zu mobilisieren vermögen. Zu Wochenbeginn erging auf Initiative des Bundes für Soziale Verteidigung unter dem Titel „Ein Obdach für Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina“ ein Appell an die Öffentlichkeit, unterzeichnet von „AG Jugoslawien“ im Netzwerk Friedenskooperative, Die Grünen, Initiative Frieden und Abrüstung, Ohne Rüstung Leben und einem Dutzend weiterer Gruppierungen. „Überlegen Sie“, heißt es im Appell, „ob Sie nicht Platz haben, um eine oder mehrere Personen bei sich wohnen zu lassen. Lassen Sie uns gemeinsam den Beweis antreten, daß wir BürgerInnen in einem der wohlhabendsten Länder der Erde in der Lage sind, notleidenden Menschen ein Obdach zu schaffen.“

Vom Gegenteil waren am 22.Mai die Innenminister der deutschen Länder ausgegangen. Sie entschieden sich gegen eine generelle Öffnung deutscher Grenzen für Kriegsflüchtlinge aus Jugoslawien. Nur wer hier Bekannte oder Verwandte hat oder einen Wohlfahrtsverband, der für seinen Aufenthalt aufkommt, darf einreisen.

Sobald 1.000 Personen ihre Bereitschaft erklärt hätten, einen oder mehrere Flüchtlinge aufzunehmen, so die Organisatoren der neuesten Hilfsaktion, werde man sich an die Öffentlichkeit und die Regierung wenden und die Öffnung der Grenzen sowie die Erteilung des Duldungsaufenthaltsrechts für alle Kriegsflüchtlinge fordern, die dann auch Anrecht auf Sozialhilfe hätten.

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