: Iran: Angriff auf Irak
■ Kurdenlager im Norden bombardiert
Paris (AFP) – Sechs iranische Flugzeuge haben am Samstag nach kurdischen Angaben den Sitz der „Demokratischen Partei des Iranischen Kurdistan“ in einem Lager unweit der iranisch-irakischen Grenze bombardiert. Wie ein Sprecher der Partei am Abend in Paris mitteilte, seien bei dem Angriff in der von den Golfkriegsalliierten eingerichteten Schutzzone für Kurden im Nordirak vier Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Auch ein Krankenhaus der beiden französischen Hilfsorganisationen Médecins du monde (MDM) und Aide médicale internationale (AMI) ist nach Angaben der Organisationen getroffen worden.
„Eine Anzahl irakischer und iranischer Kurden wurden getötet oder verletzt, darunter ein Patient des Krankenhauses“, äußerten die beiden Organisationen in einer in der französischen Hauptstadt verbreiteten Erklärung. Das medizinische Personal sei wegen des starken Bombardements geflüchtet. Ein AMI-Sprecher berichtete, das angegriffene Lager liege im Norden von Suleymanijah. Irakisch- Kurdistan ist ein traditionelles Rückzugsgebiet und gelegentlich auch Operationsbasis für kurdische und oppositionelle iranische Gruppen.
Die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA hatte am Samstag unter Berufung auf einen Militärsprecher berichtet, die iranische Armee habe einen Angriff „konterrevolutionärer Elemente, die aus dem Irak kamen und auf iranisches Gebiet eingedrungen waren“, zurückgeschlagen. Die Aktion habe im Nordwesten Irans stattgefunden. Die Militäraktion sei eine Reaktion auf „wiederholte Angriffe, die vom Irak aus gegen iranisches Gebiet geführt wurden“. Der von IRNA zitierte Militärsprecher fügte ohne nähere Angaben an, bei der Operation habe es auf irakischer Seite „Opfer“ gegeben. Nähere Angaben über Zeit und Ort machte IRNA nicht.
Das iranische Fernsehen berichtete, die Operation hätten „mehrere Einheiten“ der Armee geführt. Iranische Verbände hätten anschließend „die konterrevolutionären Elemente“ auf irakisches Gebiet verfolgt.
Mit dem Wort „Konterrevolutionäre“ bezeichnet die iranische Regierung gewöhnlich die Volksmudschaheddin des Vorsitzenden des Nationalen Widerstandsrates Irans, Massud Radschawi. Es ist die stärkste bewaffnete Oppositionsbewegung gegen das Regime in Teheran. Sie hat mehrere Stellungen im Irak.
Radschawi verurteilte am Samstag abend den Luftangriff der iranischen Armee und drohte Teheran einen „Rückschlag“ an. Er sagte, der Angriff verstoße gegen die Resolution 598 des UN-Sicherheitsrates, der den Waffenstillstand zwischen Iran und dem Irak bestimmt. In einer Mitteilung forderte Radschawi den UN-Sicherheitsrat auf, den Vorfall zu untersuchen.
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