Intendant zum Protest gegen "Gólgota Picnic": "Die Vorwürfe sind Unsinn"

Fundamentalistische Christen protestieren gegen die Hamburger Aufführung von "Gólgota Picnic". Der Intendant des Thalia-Theaters über nackte Körper und Theatersicherheit.

Umstrittene Aufführung: Szene aus "Gólgota Picnic". Bild: Thalia Theater / Davir Ruano

taz: Herr Lux, die Aufführung des Stücks "Gólgota Picnic" am kommenden Montag hat zu einem Proteststurm fundamentalistischer Christen geführt. Wie sieht der aus?

Joachim Lux: Es gibt verschiedene Websites, auf denen Vorschläge gemacht werden, wie man seinen Protest äußern soll. Die Briefe, Faxe und Emails, die da kommen, halten sich mehr oder weniger an diese Vorschläge. Das Ziel ist, die Aufführung zu verhindern und das Thalia-Theater durch eine Fax- und Mail-Schwemme handlungsunfähig zu machen.

Wie viele Mails und Faxe kommen pro Tag?

Das hat am Freitag Nachmittag angefangen. Bis Montag waren es drei- bis vierhundert.

Wie lautet der Vorwurf und von wem genau kommt er?

Es sind drei Vorwürfe: Blasphemie, Pornographie und Volksverhetzung. Aufgerufen zum Protest wird unter anderem von der Piusbruderschaft. Auf der Website steht auch, was angeblich in dem Stück vorkommt -die Leute, die uns schreiben, haben den Abend aber gar nicht gesehen.

Was ist dran an den Vorwürfen, die ja auch justiziabel wären?

Alle drei Vorwürfe sind Unsinn. Mit Volksverhetzung hat das Stück gar nichts zu tun. Mit Pornographie auch nicht - was nicht heißt, dass da nicht nackte Körper vorkämen. Mit Blasphemie auch nicht - was nicht heißt, dass es da nicht auch um christliche Ikonographie ginge. Ich will nicht behaupten, der Abend sei eine harmlose Revue. Er ist tatsächlich hart.

54, arbeitete als Dramaturg und Regisseur unter anderem in Köln, Bremen und Wien. Seit Herbst 2009 ist er Intendant des Thalia Theaters.

Was wird zu sehen sein?

Eine Landschaft aus Hamburger-Brötchen. Durch die Größe stellen sich Fragen nach Verschwendung und nach der Obszönität unserer Lebensverhältnisse. Es geht um Konsum und Vermassung. Außerdem kommen Zeichen aus der christlichen Ikonographie vor, Darstellungen von Engeln, von Christus und von Märtyrertum. Auch Nacktheit spielt eine große Rolle.

Warum haben Sie das Stück zu den Lessingtagen eingeladen?

Mich hat der Abend sehr bewegt. Die Auseinandersetzung mit Religion, die für das Festival ein Thema ist. Wir machen ja auch die "Lange Nacht der Weltreligionen". Die geht ja tief in unsere Zivilisation hinein. In dem Stück geht es um die Frage, ob die Religion ihren Auftrag erfüllt in einer Welt, die in obszönem Maße Verschwendung betreibt. Das Luziferische ist der Zivilisation so tief eingeschrieben, dass man sich fragt, wie man da wieder herauskommt.

Auf einer Website hieß es indirekt, man werde mit Tränengas stören. Müssen Sie Ihre Sicherheitsvorkehrungen jetzt anpassen?

Ja, klar. Wir werden das aber nicht alleine tun, da gibt es Stellen, die dafür zuständig sind, und die prüfen das jetzt gerade. Erwarten tue ich Störungen dieser Art aber nicht.

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