piwik no script img

IndienAffen töten Politiker

Beim Versuch, die Tiere von seinem Balkon zu verjagen, stürzte Delhis Vizebürgermeister und erlitt tödliche Verletzungen. Die Stadt wird der hausgemachten Affenplage nicht mehr Herr.

Einen Tag, nachdem er von einer Horde wilder Rhesusaffen attackiert wurde, ist der Vizebürgermeister von Indiens Hauptstadt Delhi, S S Bajwa, an den Folgen des Angriffs gestorben. Dies berichten BBC und die Online-Ausgabe der Indiatimes. Der 52-jährige Politiker hatte am Samstag schwere Kopfverletzungen erlitten, als er von der Terrasse im ersten Stock seines Hauses stürzte, während er die Tiere vertreiben wollte.

Delhi versucht seit langem, die hausgemachte Affenplage in den Griff zu kriegen. Auf der Suche nach Futter, fallen die Tiere in öffentliche Einrichtungen ein und greifen Besucher an. Selbst die gut gesicherten Gebäudekomplexe der indischen Zentralregierung werden von ihnen heimgesucht. So hatten Rhesusaffen vor drei Jahren zahlreiche Geheimdokumente des Verteidigungsministeriums entwendet und diese über eine Parkanlage verstreut.

Im letzten Jahr hatte das Oberste Gericht Delhis die Kommune dazu aufgefordert, die Affen, die unter anderem auch damit begonnen hatten, den Justizbetrieb zu beeinträchtigen, endlich aus der Stadt zu drängen. Privathaushalte, Unternehmen und manche öffentliche Einrichtungen halten sich inzwischen Exemplare der größeren Languraffen, die die Rhesusaffen von ihrem Gelände verjagen sollen.

Doch damit allein lässt sich das Problem nicht lösen. Strenggläubige Hindus unterlaufen die Anstrengungen der Stadt, sehen sie die Affen doch als Inkarnation des Affengottes Hanuman und füttern diese oft mit Bananen und Erdnüssen. Ein weiterer Grund für den Einfall der Tiere in den städtischen Raum ist das unablässige Wachstum Delhis, das die Wälder zerstört, in denen sich die Affen normalerweise aufhalten.

Delhi beschäftigt derzeit gerade mal zwei städtische Affenfänger, die die Plagegeister einfangen und am Stadtrand in Käfige sperren. Bürgermeister Arti Mehra zeigte sich angesichts der Umstände des Todes seines Stellvertreters resigniert: "Tausende von Affen laufen hier frei herum. Wir haben die Zentralregierung und andere Bundesstaaten darum gebeten, uns zu helfen, aber niemand hat sich bisher kooperativ gezeigt", sagte er.

S S Bajwa war Geschäftsmann und Chef der lokalen Sektion der oppositionellen Hindu-nationalistischen Partei BJP. Er hinterlässt eine Frau und einen Sohn.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

0 Kommentare